Wie Adiara Mädchenrechte in Mali verändert

Foto: Plan International

Mit 14 wird Adiara verheiratet und aus ihrem bisherigen Leben gerissen. Die Erfahrungen dieser Zeit lassen sie nicht los. Als sie beginnt, darüber zu sprechen, stößt sie Veränderungen an.

Adiara war 14 Jahre alt, als ihre Eltern ihre Ehe arrangierten. In Teilen Malis werden Mädchen noch immer früh verheiratet. Armut, sozialer Druck und unsichere Lebensbedingungen können dabei eine Rolle spielen. Für manche Familien erscheint eine frühe Ehe als Ausweg – und eine Form von Schutz. „Meine Eltern haben mich verheiratet, als ich noch zur Schule ging“, erinnert sie Adiara.

Ein Jahr später wurde sie schwanger. „Ich habe sehr gelitten“, sagt sie über die schwierige Schwangerschaft und Geburt, die bleibende körperliche und seelische Spuren hinterlassen haben. Für Adiara bedeutete dies auch das Ende ihrer Schulzeit. Die Zukunft, die sie sich vorgestellt hatte, war plötzlich nicht mehr erreichbar.

Adiara sitzt in ihrer Gemeinde und lächelt
Adiara macht in ihrer Gemeinde auf das Thema Kinderheirat aufmerksam Plan International

Ein Alltag mit früher Verantwortung

Heute ist Adiara 23 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern. Sie lebt in der Region Bougouni im Süden Malis in der Großfamilie ihres Mannes. Da viele Familienmitglieder oft unterwegs sind, übernimmt sie einen großen Teil der täglichen Hausarbeit.

Wie bei vielen Mädchen, die früh verheiratet werden, musste sie Verantwortung früher übernehmen und schneller erwachsen werden, als sie es sich gewünscht hatte. Mali gehört zu den Ländern mit den höchsten Raten von Kinderheirat weltweit. Mehr als die Hälfte der Mädchen wird vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Gleichzeitig ist Bildung einer der wichtigsten Faktoren, um Frühverheiratung zu verhindern. Für viele Mädchen endet der Schulbesuch jedoch mit der Eheschließung.

Ein Projekt eröffnet neue Möglichkeiten

In dieser Zeit hörte Adiara vom Projekt „Break Free“ (dt.: „sich befreien“), das sich gegen Kinderheirat einsetzt. „Als ich vom Projekt gehört habe, wollte ich sofort mitmachen“, sagt Adiara. Gemeinsam mit anderen Mädchen aus ihrem Dorf gründete sie eine Gruppe. In Schulungen lernten sie, ihre Anliegen zu vertreten, öffentlich zu sprechen und mit Eltern, traditionellen und religiösen Autoritäten sowie mit der lokalen Verwaltung den Dialog zu suchen.

Das Projekt ist eine mehrjährige Initiative. Es setzt sich dafür ein, Kinderheirat zu beenden und frühe Schwangerschaften zu verhindern. Mädchen werden darin unterstützt, ihre Rechte zu kennen und einzufordern. 

Adiara klärt andere in ihrer Gemeinde auf und teilt ihre Erfahrungen
Adiara spricht über ihre eigenen Erfahrungen und sensibilisiert andere für die Folgen von Kinderehen Plan International

Gespräche auf Augenhöhe

Die Gruppe setzt auf Gespräche statt auf Konfrontation. Adiara und die anderen jungen Frauen teilen mit Eltern, Ältesten und lokalen Verantwortlichen ihre eigenen Erfahrungen und erklären, welche Folgen frühe Heirat und Schwangerschaft für Gesundheit, Bildung und das Leben von Mädchen haben können.

Auch mit Mädchen in ihrem Dorf ist Adiara regelmäßig im Austausch: „Ich spreche mit ihnen, um ihnen zu zeigen, wie sie ihre Ausbildung fortsetzen, Frühverheiratung vermeiden und sich selbst schützen können.“ Diese Gespräche beschreibt sie als vertraulich und unterstützend: „Wir reden wie ältere Schwestern mit unseren jüngeren Schwestern, stellen Fragen, beantworten sie und tauschen unsere Erfahrungen aus.“

Adiara spricht mit anderen Mädchen aus ihrer Gemeinde über ihre Erfahrung
Heute wird in Adiaras Gemeinde ein Mindestalter von 18 Jahren für die Ehe durchgesetzt Plan International

Ein Erlass gegen Kinderheirat

Im Laufe der Zeit zeigte das Engagement Wirkung. Gemeinsam mit ihrer Gruppe konnte Adiara auch die lokale Verwaltung einbeziehen. „Worauf ich am meisten stolz bin, ist, dass es uns gelungen ist, einen kommunalen Erlass zu erwirken, der jegliche Kinderheirat verbietet“, sagt Adiara.

Heute ist die Veränderung auch im Alltag spürbar: „Jetzt darf kein Mädchen in unserer Gemeinde vor dem 18. Lebensjahr heiraten. Das ist ein großer Sieg für mich und für alle Mädchen.“ Im Rathaus werden Ehen nur noch registriert, wenn Mädchen mindestens 18 Jahre alt sind.

„Jetzt darf kein Mädchen in unserer Gemeinde vor dem 18. Lebensjahr heiraten. Das ist ein großer Sieg für mich und für alle Mädchen.“

Adiara (23), über den Erfolg ihrer Projektgruppe

Engagement, das weitergeht

Adiara setzt ihre Arbeit fort. Immer wieder tritt sie mit Menschen in den Dialog und klärt über frühe Schwangerschaften auf und darüber, wie wichtig Bildung für Mädchen ist.

Gleichzeitig weiß sie, dass Veränderungen Zeit brauchen und nicht überall gleich schnell erfolgen. Frühe Schwangerschaften bleiben eine Herausforderung, und es braucht weiterhin Unterstützung, damit die bereits erreichten Fortschritte bestehen bleiben. „Ich bin sehr stolz auf das, was wir geschafft haben. Ich mache diese Arbeit mit Leidenschaft und Entschlossenheit, weil ich weiß, was ich durchgemacht habe, und ich möchte nicht, dass ein anderes Mädchen das Gleiche erleben muss.“

Adiara steht draußen mit anderen Mädchen in ihrer Gemeinde
Adiara (mitte) klärt Mädchen auf, fördert Bildung und setzt sich gegen frühe Ehe und Schwangerschaft ein Plan International
Adiara steht draußen mit anderen Mitgliedern in ihrer Gemeinde und heben die Hände in die Höhe
Adiara engagiert sich weiterhin dafür, dass Mädchen in Zukunft selbstbestimmt aufwachsen Plan International

Über das Projekt 

Das Projekt „Break Free!“ ist eine mehrjährige Initiative von Plan International und Partnerorganisationen in Mali. Ziel ist es, Kinderheirat zu beenden und frühe Schwangerschaften zu verhindern. Dafür arbeitet das Projekt auf mehreren Ebenen: Es unterstützt Mädchen dabei, in der Schule zu bleiben, verbessert den Zugang zu jugendgerechten Gesundheitsdiensten und fördert den Austausch mit Gemeinden sowie lokalen und nationalen Entscheidungsträgern. Ein zentrales Ziel ist es, das Mindestheiratsalter von 18 Jahren durchzusetzen und die Rechte von Mädchen langfristig zu stärken.

Die Geschichte von Adiara wurde mit Material aus dem Plan Büro in Mali erstellt.

Gezielt Mädchen fördern

Plan International engagiert sich für den Schutz, die Bildung, politische Teilhabe, Gesundheit und Einkommenssicherung von Mädchen und jungen Frauen. Sie sind von Geburt an oftmals stärker benachteiligt als Jungen. Mit Ihrer Spende in unseren Mädchen-Fonds unterstützen Sie weltweit Hilfsprojekte für Mädchen und Frauen sowie unser Programm „Girls Lead“.

Seit 2003 leistet der Mädchen-Fonds einen wichtigen Beitrag zur Beseitigung von Benachteiligung, Armut und Gewalt.

Jetzt unterstützen

Sie mögen diesen Artikel? Teilen Sie ihn gerne.