Vom Sklavenkind zur Anwältin

Foto: Bishnu Chaudhary

„Ich habe es geschafft“, verkündet Bishnu Chaudhary in einer Nachricht an die Stiftung Hilfe mit Plan. „Ich habe die Prüfung bestanden. Jetzt kann ich als Anwältin arbeiten!“ Der freudigen Nachricht der 26-jährigen Nepalesin war ihre Tortur als Kamlahari, als Sklavenkind, vorausgegangen.

Mit sieben Jahren verkaufte ihr Vater sie an eine wohlhabende Familie, da er kein Geld mehr hatte. Von da an musste Bishnu als Kamlahari arbeiten. Kamlahari bedeutet auf Nepalesisch „hart arbeitende Frau“, eine Praxis, die trotz gesetzlichem Verbot noch bis vor Kurzem in Nepal ein gängiges Modell für arme Familien darstelle, um an etwas Geld zu kommen. Als Hausdienerin mussten ihre Töchter insbesondere aus der Volksgruppe der Tharu im Südwesten des Landes bei reichen Familien kochen, putzen und waschen – während sie selbst kaum Schlaf oder Essen bekamen. Auch sexueller Gewalt waren diese Mädchen oft schutzlos ausgesetzt.

Chancen geben

2006 startete Plan International ein Projekt gegen diese Form der Leibeigenschaft. Das von der Stiftung Hilfe mit Plan mitfinanzierte Vorhaben hat während seiner 13-jährigen Laufzeit eine Reihe von Erfolgsgeschichten hervorgebracht. Plan-Mitarbeiter:innen fingen die traumatisierten Mädchen nach der Befreiung aus der Gefangenschaft auf, boten ihnen psychologische Hilfe, eine Schulausbildung und eine Unterkunft. Dass Mädchen zur Schule gehen, stieß bei deren Eltern immer wieder auf Unverständnis.

„Meine Geschwister haben es mir ermöglicht, heimlich den Unterricht zu besuchen“

Bishnu Chaudhary, Anwältin und ehemalige Kamlahari
Schülerinnen im Klassenzimmer ihrer Schule
Nicht allen Tharu-Mädchen stand und steht ein Schulbesuch offen.Sandra Gätke

„Als ich nach zwei Jahren Leibeigenschaft wieder zuhause war, wollte mein Vater, dass ich auf dem Feld helfe“, erzählt Bishnu. „Meine Geschwister haben es mir ermöglicht, heimlich den Unterricht zu besuchen.“ Sie wurde schnell zur Klassenbesten, studierte zunächst auf Lehramt – und dann Jura. Das Studium finanzierte die engagierte Stifterin Maria Kramer. Sie erlebte auch, wie Bishnu sich aus einer gewaltsamen Ehe kämpfte und eine schwere Typhus-Erkrankung überstand. „Was Bishnu trotz aller Widerstände geschafft hat, ist unglaublich. Wie talentiert und ehrgeizig sie ist, zeigt sich daran, dass nur 15 Prozent der Student:innen den Jura-Abschluss geschafft haben. Sie ist eine davon“, so Maria Kramer.

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