Mutige junge Stimmen
Zwischen grünen Bergen, kleinen Gärten und dem Alltag in ihrer Gemeinde verbrachte Jaqueline ihre Kindheit. Die heute 20-Jährige gehört zur indigenen Volksgruppe der Q’eqchi’ und wuchs in Alta Verapaz im Norden Guatemalas auf. Doch schon früh spürte sie, dass sie mehr wollte – mehr Möglichkeiten, mehr Mitsprache, mehr Chancen für sich und andere.
„Schon als Kind habe ich gern vor Menschen gesprochen und meine Ideen geteilt“, erinnert sie sich. Damals ahnte sie noch nicht, dass genau diese Fähigkeit einmal zu ihrem stärksten Werkzeug werden würde.
Der Weg zur Bildung
In ihrer Heimatgemeinde waren die Möglichkeiten begrenzt. Es gab weder Internet noch Buchhandlungen, und selbst Schulmaterial war schwer zu bekommen. Als Jaqueline zehn Jahre alt war, traf ihre Familie eine weitreichende Entscheidung: Sie zogen in die nächstgelegene Kleinstadt, damit ihre Tochter bessere Bildungschancen erhielt. Dieser Schritt war nicht leicht für die Familie.
„In der Stadt war vieles näher und einfacher erreichbar“, erzählt sie. „Aber ich habe das Leben in meiner Gemeinde sehr vermisst.“ Der Umzug eröffnete ihr neue Möglichkeiten und legte den Grundstein für ihren späteren Weg als engagierte junge Aktivistin.
Schon in der Schule fiel Jaqueline durch ihr Selbstbewusstsein und ihr Talent für öffentliche Reden auf. Sie nahm an Wettbewerben teil und gewann bei einem davon den zweiten Platz. Kurz darauf kandidierte sie für das Amt der Ombudsperson, eine Art Sprecherin für die Rechte von Schülerinnen und Schülern, an ihrer Schule. Mit gerade einmal elf Jahren wurde sie gewählt. Für Jaqueline war das ein prägender Moment. „Von da an konnte ich in diesen Gremien Entscheidungen mitgestalten und mögliche Lösungen für Probleme vorschlagen, die besonders Mädchen betreffen“, sagt sie.
Ihre Stimme wurde schnell gehört. Sie organisierte Gespräche und Workshops, um über Themen wie frühe Partnerschaften, Schwangerschaften im Jugendalter und Gewalt gegen Mädchen zu informieren – Herausforderungen, mit denen viele junge Menschen in ihrer Region konfrontiert sind. Ihre ehemalige Grundschullehrerin Brenda erinnert sich noch gut an diese Zeit: „Jaqueline war sehr engagiert und immer eine positive Führungspersönlichkeit. Sie hat ihren Mitschülerinnen und Mitschülern geholfen und war nie egoistisch.“
„Ich dachte mir: Wenn ich nicht spreche, wird es niemand für uns tun.“
Mut wächst durch Beteiligung
Später nahm Jaqueline an der Leadership School sowie am Programm Champions of Change von Plan International teil. Beide Programme stärken junge Menschen darin, ihre Rechte einzufordern und gesellschaftliche Veränderungen aktiv mitzugestalten. Für Jaqueline waren diese Erfahrungen ein Wendepunkt.
„Die Teilnahme an diesen Leadership-Programmen hat mein Leben verändert“, sagt sie. „Am Anfang war ich nervös. Aber ich dachte mir: Wenn ich nicht spreche, wird es niemand für uns tun.“
Mit diesem Gedanken begann sie, andere Jugendliche zu ermutigen, sich ebenfalls einzubringen.
„Ich möchte, dass unsere Stimmen weiter gehört werden. Mein Ziel ist, dass mehr junge Menschen Mut fassen, an sich glauben und sich von niemandem sagen lassen, dass sie etwas nicht können.“
Junge Stimmen in der Kommunalpolitik
Durch ihre Ausbildung erhielt Jaqueline die Möglichkeit, am COMUDE teilzunehmen – dem Kommunalen Entwicklungsrat. In diesem wichtigen Gremium kommen lokale Behörden und Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft zusammen, um über die Entwicklung ihrer Region zu beraten.
Hier spricht Jaqueline direkt mit politischen Entscheidungsträgern über die Herausforderungen von Kindern und Jugendlichen.
„Wenn ich an diesen Treffen teilnehme, habe ich das Gefühl, meine Gemeinde zu vertreten“, sagt sie stolz.
Rückhalt aus der Familie
Ein entscheidender Rückhalt auf ihrem Weg ist ihre Mutter Zoila. „Ich habe sie immer unterstützt“, erzählt sie. „Es macht mich glücklich zu sehen, wie sie ihren Weg geht. Seit sie klein ist, bin ich sehr stolz auf sie.“
Auch gemeinsam mit anderen jungen Aktivistinnen engagiert sich Jaqueline. Dazu gehören Lesly und Kenia, die ebenfalls daran arbeiten, die Stimmen junger Menschen sichtbarer zu machen. „Durch meine Beteiligung konnte ich die Stimmen der Mädchen und jungen Frauen aus meiner Gemeinde einbringen“, sagt Lesly.
Kenia ergänzt: „Diese Räume haben mir gezeigt, dass auch ich Ideen vorschlagen und Veränderungen anstoßen kann.“ Gemeinsam bilden sie eine engagierte junge Bewegung – und zeigen eindrucksvoll, dass Jugendliche ihre Zukunft aktiv mitgestalten können.
Ein Traum für die Zukunft
Heute setzt sich Jaqueline weiterhin als Sprecherin junger Menschen ein. Besonders wichtig ist ihr, dass Mädchen und junge Frauen stärker gehört werden – vor allem bei Entscheidungen, die ihr Leben unmittelbar betreffen. Ihr Traum ist klar und zugleich kraftvoll: ein Guatemala, in dem junge Menschen ihre Zukunft selbst mitgestalten.
„Ich wünsche mir, dass mehr Jugendliche den Mut finden, sich zu beteiligen“, sagt sie. „Und dass sie daran glauben, was sie erreichen können.“
Denn Jaquelines Geschichte zeigt: Wenn junge Menschen ihre Stimme erheben, kann daraus echte Veränderung entstehen.
Diese Geschichte wurde mithilfe von Material aus dem guatemaltekischen Plan-Büro erstellt.