Frauen gestalten Katastrophenvorsorge im Südpazifik

Foto: Robert McKechnie

Auf den Salomonen gehören Wirbelstürme und Sturmfluten zum Alltag. Für Evah und ihre Gemeinde auf der abgelegenen Insel Nggatokae ist deshalb klar: Wer Menschen schützen will, muss vorbereitet sein.

Seit 30 Jahren lebt Evah (54) an der abgelegenen Küste von Nggatokae, einer Insel der Salomonen. Wenn sich das Wetter plötzlich verändert und das Meer gefährlich wird, muss es schnell gehen. Früher wurden Warnungen vor allem von Mensch zu Mensch weitergegeben. Die Menschen wussten, dass eine Gefahr kommen konnte, doch feste Abläufe für den Ernstfall gab es kaum.

Am Internationalen Tag für Katastrophenvorsorge wird weltweit darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig es ist, Menschen und Gemeinschaften besser auf Naturkatastrophen vorzubereiten. Auch auf Nggatokae hat sich der Umgang mit den Gefahren verändert.

Evah erinnert sich an eine besondere Form der Warnung: „Früher habe ich gehört, dass man eine Muschel benutzte, um die Menschen vor Gefahren zu warnen. Aber jetzt, da wir an dem Programm teilnehmen, haben wir gelernt, wie man die Menschen vorbereitet. Zum Beispiel machen wir den Menschen klar, was sie im Katastrophenfall tun und wohin sie sich begeben sollen.“

Evah steht draußen in ihrer Gemeinde auf Nggatokae
Evah (54) engagiert sich aktiv im Katastrophenschutzkomitee ihrer Gemeinde Robert McKechnie
Ein traditionelles Holzhaus auf den Salomonen, das durch Stürme und Wirbelstürme gefährdet ist
Traditionelle Holzhäuser sind besonders anfällig für Schäden durch Stürme und Wirbelstürme Robert McKechnie
Menschen von der Insel Nggatokae nehmen an einer Schulung zur Katastrophenvorsorge teil
Schulung zur Katastrophenvorsorge für die Bevölkerung der Insel Nggatokae Robert McKechnie

Aus Warnungen werden Pläne

Evah ist heute Mitglied des örtlichen Komitees für Katastrophenvorsorge. Gemeinsam mit anderen Frauen und jüngeren Menschen arbeitet sie daran, die Gemeinde besser auf mögliche Katastrophen vorzubereiten. Dabei geht es um ganz konkrete Fragen: Wo können Menschen im Ernstfall Schutz suchen? Welche Wege müssen bekannt sein? Und was braucht die Gemeinde, um auch während und nach einer Katastrophe möglichst selbstständig zu bleiben?

Die Menschen auf Nggatokae sind an wechselhaftes Wetter und Naturkatastrophen gewöhnt. Phänomene wie El Niño können die Wetterbedingungen in der Region zusätzlich beeinflussen und zu ungewöhnlich trockenen oder nassen Bedingungen führen. Umso wichtiger ist es, dass die Menschen wissen, wie sie sich im Katastrophenfall schützen können.

Ein Vorhaben ist der Bau eines Evakuierungszentrums. Auch die Wasserversorgung soll verbessert werden. Beides könnte der Gemeinde helfen, im Katastrophenfall unabhängiger zu sein.

Doch noch ist nicht jeder Plan Realität. Das Evakuierungszentrum ist zwar Teil des gemeinsam erarbeiteten Katastrophenschutzplans, aber bislang noch nicht einsatzbereit. „Es stimmt, dass die Menschen mittlerweile besser darüber im Klaren sind, was zu tun ist. Wir haben ihnen gesagt, sie sollen auf den Katastrophenfall vorbereitet sein, damit sie wissen, wie sie sich verhalten müssen. Allerdings ist die Notunterkunft noch nicht einsatzbereit“, erzählt Evah. 

Zur Katastrophenvorsorge gehört mehr als Wissen über die richtige Reaktion im Ernstfall. Auch die notwendige Infrastruktur muss geschaffen werden, und das braucht Zeit.

Menschen von der Insel Nggatokae nehmen an einer Schulung zur Katastrophenvorsorge teil
Die Teilnehmenden lernen, wie sie sich und andere im Notfall schützen können Robert McKechnie
Küstenlandschaft auf der Insel Nggatokae auf den Salomonen
Die Küste der Insel Nggatokae auf den Salomonen Robert McKechnie
Menschen aus der Gemeinde nehmen an einem Gottesdienst auf der Insel Nggatokae auf den Salomonen teil
Gemeindemitglieder nehmen an einem Gottesdienst auf der Insel Nggatokae teil Robert McKechnie

Vorsorge muss alle erreichen

Bei einer Evakuierung stehen nicht alle Menschen vor den gleichen Herausforderungen. Für ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen kann es schwieriger sein, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Manche können Warnungen nicht gut hören, andere sind in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt und brauchen Unterstützung, um höher gelegene Gebiete zu erreichen.

„Manche haben Hörprobleme, andere Mobilitätsprobleme, wie zum Beispiel Knieschmerzen. Es gibt auch ältere Menschen in der Gemeinde. Die Familienangehörigen müssen daher wissen, wie sie diesen Menschen helfen können, sich in höher gelegene Gebiete zu begeben“, sagt Evah. 

Deshalb ist es wichtig, dass Familien wissen, wer im Ernstfall Hilfe braucht und wie sie diese Unterstützung leisten können. Für Evah ist das eine Aufgabe der ganzen Gemeinde. Frauen und Männer, ältere Menschen und die jüngere Generation müssen zusammenarbeiten und ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilen.

Wissen weitergeben

Dass auch junge Menschen Verantwortung übernehmen, ist Evah besonders wichtig. Eine von ihnen ist Jayleen. Mit 22 Jahren gehört sie zu den jüngsten Mitgliedern des Komitees und ist dort die einzige junge Frau. Für Evah bedeutet ihre Beteiligung, dass Wissen und Erfahrungen nicht bei ihrer Generation bleiben. Sie selbst hat durch die Schulungen gelernt, wie sie Menschen in ihrer Gemeinde für Katastrophenvorsorge sensibilisieren kann.

„Als ich an diesen Schulungsprogrammen teilnahm, habe ich mehr darüber gelernt, wie man das Bewusstsein der Menschen schärft. Ich freue mich auch sehr, dass junge Menschen wie Jayleen an diesen Programmen teilgenommen haben“, sagt Evah. 

Die 22-jährige Jayleen engagiert sich im Rahmen des Programms „Disaster READY“ für die Katastrophenvorsorge auf der Insel Nggatokae
Jayleen (22) engagiert sich als jüngstes weibliches Mitglied im lokalen Katastrophenschutzkomitee Robert McKechnie

„Die älteren Menschen werden nicht ewig hier sein. Es wird an uns jungen Menschen liegen, Verantwortung zu übernehmen.“

Jayleen (22), engagiert sich im Komitee für die Katastrophenvorsorge ihrer Gemeinde

Auch Jayleen sieht in den Schulungen mehr als eine Vorbereitung auf den Katastrophenfall. Für sie sind sie eine Möglichkeit, als junge Frau Verantwortung in ihrer Gemeinde zu übernehmen. „Für junge Mädchen ist das wichtig, denn wenn sie an diesen Programmen teilnehmen, erwerben sie Wissen, das es ihnen ermöglicht, sich in der Gemeinschaft einzubringen.“

Jayleen weiß, dass diese Verantwortung künftig stärker bei ihrer Generation liegen wird: „Die älteren Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten, werden nicht ewig hier sein. Es wird an uns, den jungen Menschen, liegen, Verantwortung zu übernehmen und uns in der Gemeinschaft zu engagieren“, sagt sie. 

Eine Schule nahe der Küste auf Nggatokae
Eine Schule nahe der Küste auf Nggatokae, die in die Katastrophenvorsorge der Insel einbezogen wird Robert McKechnie

„Wenn eine Katastrophe eintritt, werden wir nicht in Panik geraten und weglaufen. Wir werden gut vorbereitet sein.“

Jayleen (22), über das Gelernte aus den Katastrophenschutz-Schulungen

Wenn der Ernstfall kommt

Für Jayleen ist ihre Rolle im Komitee mit Verantwortung, aber auch mit Stolz verbunden. „Ich bin glücklich, weil ich meiner Gemeinschaft helfen werde, und ich bin stolz auf mich“, sagt sie. 

Noch ist nicht alles geschafft. Das geplante Evakuierungszentrum ist nicht einsatzbereit, und die Gemeinde muss ihre Vorsorge weiter ausbauen. Doch Jayleen weiß, dass ihre Generation dabei eine wichtige Rolle spielen wird. „Wenn eine Katastrophe eintritt, werden wir nicht in Panik geraten und weglaufen. Wir werden gut vorbereitet sein“, sagt sie. 

 

Die Geschichte von Jayleen und Evah wurde mit Material aus dem salomonischen Plan-Büro erstellt.

Jayleen blickt von ihrem Zuhause auf das Meer vor den Salomonen
Jayleen blickt von ihrem Zuhause auf das Meer vor den Salomonen Robert McKechnie
Freda Paiva leitet eine Schulung zur Katastrophenvorsorge für Menschen von Nggatokae
Freda Paiva leitet eine Schulung zur Katastrophenvorsorge für Menschen von Nggatokae Robert McKechnie

Über das Projekt

Das Programm „Disaster ready“ (dt.: katastrophenvorbereitet) unterstützt Gemeinden und Schulen auf den Salomonen dabei, sich besser auf die Folgen des Klimawandels und Naturkatastrophen vorzubereiten. Frauen, Mädchen, junge Menschen und Menschen mit Behinderungen sollen dabei eine aktive Rolle übernehmen.

Auf der Insel Nggatokae arbeitet das Programm derzeit mit acht Gemeinden an Plänen für den Katastrophenfall. Dazu gehören unter anderem Evakuierungspläne und -karten, Informationen über Gefahren sowie Schulungen für den Notfall. Auch sechs Schulen entwickeln gemeinsam mit ihren Lehrkräften eigene Notfall- und Katastrophenschutzpläne.

Auf Gemeindeebene unterstützen sogenannte „Disaster ready“-Komitees die Planung und informieren die Bevölkerung darüber, wie sie sich im Katastrophenfall verhalten und wohin sie sich in Sicherheit bringen kann. Dabei arbeitet das Programm auch mit lokalen Organisationen und Behörden zusammen.

Gemeinsam für mehr Schutz vor Katastrophen

Der Klimawandel erhöht für viele Gemeinden auf den Salomonen das Risiko von Schäden durch tropische Wirbelstürme, Sturmfluten und andere Naturkatastrophen. Plan International unterstützt Gemeinden dabei, sich besser darauf vorzubereiten, etwa durch Katastrophenschutzpläne, Evakuierungsübungen und Schulungen. Dabei sollen Frauen, Mädchen und junge Menschen ihre Gemeinden aktiv mitgestalten können.

Unterstützen Sie unsere Arbeit und helfen Sie mit Ihrer Spende, Gemeinden widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen.

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