Abpfiff für alte Rollenbilder

Foto: Plan International

Für Saidia und Virginia ist Fußball mehr als ein Spiel. Auf dem Platz haben die beiden Mädchen einen Ort gefunden, an dem sie Selbstvertrauen gewinnen, Grenzen hinterfragen und ihre eigenen Wege für die Zukunft entdecken.

Der Ball rollt über den Platz, die Spielerinnen machen sich bereit, dann ertönt der Anpfiff. Für die 14-jährige Saidia und die 13-jährige Virginia aus La Libertad in El Salvador gehört Fußball längst zu ihrem Alltag. Doch für die beiden ist Fußball weit mehr als ein Sport.

„Die Spielregeln zu ändern bedeutet, Barrieren zu überwinden, Fußball zu lernen und vor allem an sich selbst zu glauben und seine Träume verwirklichen zu können“, sagt Saidia.

Denn für Mädchen in El Salvador sind die Grenzen, die ihnen gesetzt werden, nicht immer auf den ersten Blick sichtbar. Frühverheiratung, Schwangerschaften im Teenageralter und Gewalt können ihre Bildungswege und Zukunftschancen einschränken. Hinzu kommen gesellschaftliche Vorstellungen darüber, was Mädchen können oder dürfen.

Viriginia und Saidia stehen draußen auf dem Fußballplatz ihrer Gemeinde
Für Virginia und Saidia ist Fußball mehr als nur ein Spiel Plan International

„Die Spielregeln zu ändern bedeutet vor allem, an sich selbst zu glauben und seine Träume zu verwirklichen.“

Saidia (14), Fußballspielerin aus El Salvador
Virginia steht auf dem Fußballplatz und hat ihren Fuß auf dem Ball abgelegt
Virginia hat durch Fußball Disziplin und Teamgeist entwickelt Plan International

Auch Virginia kennt den Druck, sich beweisen zu müssen. Sie erlebt, dass Mädchen schnell an ihren Fähigkeiten zweifeln sollen, wenn etwas nicht sofort gelingt. „Wenn man etwas nicht gut macht, fangen die Leute an zu sagen: ‚Nein, du solltest lieber etwas anderes finden, in dem du gut bist‘“, erzählt sie.

Ein Platz, an dem Selbstvertrauen wächst

Ihre Freude am Fußball entdeckt Virginia zunächst auf der Straße. Nachmittags trifft sie sich mit Freund:innen aus der Nachbarschaft, kickt den Ball hin und her und genießt die Freiheit des Spiels. Ein Gesundheitsberater aus ihrer Gemeinde, der zugleich Fußballtrainer ist, erkennt ihr Talent und ermutigt ihre Mutter, Virginia zum Training zu bringen.

Mit dem Fußball sammelt Virginia nach und nach neue Erfahrungen. Sie lernt, im Team zu arbeiten, mit ihren Emotionen umzugehen und auch dann weiterzumachen, wenn etwas nicht auf Anhieb gelingt. „Ich habe mit etwa zehn Jahren angefangen zu spielen“, erzählt sie. Besonders gerne erinnert sie sich an die Nachmittage mit ihren Freund:innen: „Am meisten hat es mir Spaß gemacht, mein Team zu treffen, auf den Anpfiff zu warten, die Mannschaften zusammenzustellen und mit meinen Mitmenschen zu spielen.“

Mit jedem Training wächst das Vertrauen

Auch Saidia kennt Fußball seit ihrer Kindheit. Ihr Vater unterstützt ihre Begeisterung für den Sport, und bereits mit fünf Jahren beginnt sie zu spielen. 2022 tritt sie ihrer ersten offiziellen Mannschaft bei. Heute spielt sie sowohl für ihre Schulmannschaft als auch für eine Mädchenmannschaft.

Zu Beginn fehlt ihr noch das nötige Selbstvertrauen. „Anfangs war ich nervös“, erinnert sie sich. Doch mit jeder Trainingseinheit wird sie sicherer und möchte sich weiter verbessern. „Der Fußball hat mich gelehrt, mir selbst zu vertrauen und vor allem als Teil eines Teams zu arbeiten“, sagt Saidia.

Saidia spielt auf dem Platz ihrer Gemeinde Fußball
Saidia hat durch den Fußball mehr Selbstvertrauen gewonnen und spielt heute für ihre Schul- und eine Mädchenmannschaft Plan International
Virginia spielt auf dem Platz ihrer Gemeinde Fußball
Virginia spielt mit Jungen und Mädchen in einer Mannschaft und zeigt, dass Mädchen genauso dazugehören Plan International

Wenn Mädchen Grenzen hinterfragen

Für beide Mädchen ist Fußball ein Ort, an dem sie erfahren, was sie selbst erreichen können. Virginia spielt derzeit in einer Mannschaft mit Jungen und Mädchen. Für sie zeigt das, dass Geschlecht kein Grund sein sollte, bestimmte Möglichkeiten auszuschließen. „Für mich bedeutet das Spielen in einer gemischten Mannschaft, dass Frauen die gleichen Fähigkeiten haben wie Männer“, sagt sie.

Auch Saidia erlebt, wie sich Einsatz und Training auszahlen können. Bei einem Schulturnier rechnet sie zunächst nicht damit, dass ihre Mannschaft gewinnen wird. Am Ende holen die Mädchen den Titel. „Ich hätte nie gedacht, dass wir das Turnier gewinnen würden“, sagt sie. „Aber am Ende haben wir gewonnen. Ich bin heute glücklich, weil ich mit meinem Team gewonnen habe.“ Solche Erfahrungen stärken ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Sie zeigen den Mädchen, dass sie sich Ziele setzen, Verantwortung übernehmen und ihre eigenen Entscheidungen treffen können.

Fußball als Raum für neue Möglichkeiten

Genau hier setzt „Change the Game“ (dt.: „Das Spiel verändern“) an, eine regionale Kampagne von Plan International. Die Initiative nutzt Fußball, um Mädchen sichere Räume zu bieten, in denen sie Selbstvertrauen und Führungsqualitäten entwickeln und mehr über ihre Rechte erfahren.

Dabei geht es nicht allein darum, Mädchen für den Sport zu begeistern. Sie sollen darin bestärkt werden, ihre Meinung zu äußern, sich einzubringen und eigene Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig thematisiert die Initiative Herausforderungen, die Mädchen in vielen Gemeinden an der Verwirklichung ihrer Rechte hindern, darunter Gewalt, frühe Schwangerschaften und Frühverheiratung.

aidia und Virginia stehen nebeneinander und spielen gemeinsam ein Fußballspiel
Saidia und Virginia verbindet die Begeisterung für Fußball, die sie auf unterschiedlichen Wegen entdeckt haben Plan International

Für Virginia bedeutet Fußball auch, sich von Erwartungen zu lösen, die Mädchen einschränken können. „Schränkt euch nicht ein, nur weil manchmal sogar unsere eigenen Eltern uns sagen, dass diese Dinge nur etwas für Jungen sind. Das stimmt nicht. Wir können genauso gut spielen wie Jungen.“

Auch Saidia möchte anderen Mädchen Mut machen: „Seid mutig, lasst die Angst los, denn alles ist möglich. Wenn ihr euch etwas wirklich in den Kopf setzt, könnt ihr es schaffen.“

„Schränkt euch nicht ein, nur weil andere sagen, dass bestimmte Dinge Jungen vorbehalten sind.“

Virginia (13), plädiert für gleiche Chancen von Mädchen und Jungen und stellt stereotype Geschlechterrollen infrage

Die eigenen Möglichkeiten im Blick

Was auf dem Fußballplatz beginnt, reicht für Saidia und Virginia längst darüber hinaus. Beide haben klare Vorstellungen von ihrer Zukunft. Saidia möchte sich im Fußball weiterentwickeln und gleichzeitig eine berufliche Laufbahn einschlagen. Sie kann sich vorstellen, später Ärztin oder Lehrerin zu werden.

Virginia träumt davon, Medizin zu studieren oder Schauspielerin zu werden. Vor allem aber wünscht sie sich, dass Mädchen ihre Kindheit unbeschwert erleben und selbst über ihr Leben entscheiden können. „Für mich bedeutet ‚das Spiel zu verändern‘, dass Mädchen, die in frühen Ehen leben, das nicht mehr erleben müssen, sondern stattdessen die Dinge genießen können, die sie in ihrem Alter genießen sollten.“ Für beide ist Fußball damit zu einem Ort geworden, an dem sie neue Erfahrungen sammeln und ihre eigenen Möglichkeiten entdecken. 

Die Geschichte von Virginia und Saidia wurde mit Material aus dem Plan-Büro in El Salvador aufgeschrieben. 

Saidia steht auf dem Platz und legt ihren Fuß auf den Ball ab
Für Saidia und Virginia steht Fußball heute auch für die Freiheit, eigene Wege zu gehen Plan International

Über das Projekt

„Change the Game“ ist eine regionale Kampagne von Plan International, die Fußball als Instrument für sozialen Wandel nutzt und Mädchen in Lateinamerika und der Karibik stärkt.

Die Initiative schafft sichere Räume, in denen Mädchen Selbstvertrauen und Führungsqualitäten entwickeln und mehr über ihre Rechte erfahren. Gleichzeitig setzt sie sich gegen Gewalt, frühe Schwangerschaften und Frühverheiratung ein und stärkt die Beteiligung von Mädchen an Entscheidungen in ihren Gemeinschaften.

Mit einer Patenschaft Perspektiven schaffen

Mit der Übernahme einer Patenschaft für ein Kind in El Salvador unterstützen Sie uns dabei, wichtige Hilfsprojekte vor Ort umzusetzen. So helfen Sie nicht nur Ihrem Patenkind, sondern auch seiner Familie und der gesamten Gemeinde. In El Salvador setzen wir uns insbesondere dafür ein, berufliche Perspektiven für Jugendliche zu schaffen, die Gleichberechtigung zu stärken und Eltern sowie Kleinkinder zu fördern.

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