Ein Jahr nach der Flutkatastrophe

Foto: Plan International

Bilanz der Katastrophenhilfe der Kinderrechtsorganisation Plan International, die in Ahrweiler und in Eschweiler mit Projekten aktiv ist

Die Flutkatastrophe des vergangenen Sommers hat auf dramatische Weise die Folgen des Klimawandels auch in Deutschland sichtbar gemacht. Die Ereignisse vom 14. Juli 2021 mit 184 Toten, Verwüstung von Ortschaften sowie Zerstörung von Existenzen waren einschneidend – für das gesamte Land, aber vor allem für die Menschen vor Ort. Die Kinderrechtsorganisation Plan International Deutschland hat sich angesichts des Ausmaßes dazu entschieden zum ersten Mal in ihrer Geschichte Katastrophenhilfe im eigenen Land zu leisten. „Denn wie bei allen Krisen, so waren es auch in diesem Fall die Kinder, welche die Folgen am meisten zu spüren bekommen haben“, sagt Kathrin Hartkopf, Sprecherin der Geschäftsführung von Plan International Deutschland. „Ich danke daher allen Spender:innen sehr herzlich für ihr Engagement.“

„Wie bei allen Krisen, so waren es auch in diesem Fall die Kinder, welche die Folgen am meisten zu spüren bekommen haben“

Kathrin Hartkopf, Sprecherin der Geschäftsführung von Plan International Deutschland

Im September begann das erste Projekt von Plan im Kreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz). Im Zentrum des Projektes steht ein Beratungsbus, um Kindern, Jugendlichen und deren Familien im Ahrtal psychosoziale Hilfe vor Ort anzubieten. Er pendelt an fünf Tagen in der Woche entlang der Ahr auf einer fast 40 Kilometer Strecke zwischen Schuld über Bad Neuenahr-Ahrweiler bis nach Sinzig – insgesamt 25 Ortschaften. Es geht darum, den Betroffenen an ihren vertrauten Orten die Möglichkeit zu geben, das Erlebte zu verarbeiten. An Bord des Busses sind Psycholog:innen, Sozialarbeiter:innen, Mitarbeitende des Jugendamtes, der Kreisverwaltung und der Agentur für Arbeit. Mit dabei sind auch weitere Hilfsorganisationen sowie lokale Initiativen. „Auf diese Weise bündelt Plan International Deutschland die Unterstützung für die Region und bringt sie direkt zu den Menschen“, sagt Kathrin Hartkopf.

Landschaftsaufnahme eines Dorfs, ein großer Reisebus steht auf einer matschigen Straße
Der Plan-Beratungsbus ist fünf Tage die Woche unterwegs und bietet Kindern, Jugendlichen und deren Familien im Ahrtal psychosoziale Hilfe vor Ort.Plan International

Bislang sind mit dem Bus mehr als 13.000 Kilometer im Ahrtal zurückgelegt worden. Highlights waren unter anderem Aktionen in den Weihnachts- und Osterferien. Während Kinder und Jugendliche an Musik- Sport- oder Kunstaktionen teilnahmen, hatten deren Eltern parallel die Möglichkeit sich beraten zu lassen. Zum einen ganz praktisch, wenn es etwa um Wiederaufbaumaßnahmen ging, aber auch im Bereich der psychosozialen Unterstützung. Gerade Letzteres ist in den vergangenen Wochen und Monaten immer wichtiger geworden, da viele Betroffene mit Blick auf den Jahrestag der Flutkatastrophe sich das Geschehene immer mehr vergegenwärtigen. Im September endet das auf ein Jahr ausgelegte Engagement von Plan International Deutschland im Ahrtal. Die gebündelte Hilfe vor Ort aber wird bleiben und von der Kreisverwaltung fortgeführt. „Wir haben mit diesem Projekt nachhaltige Strukturen geschaffen“, sagt Kathrin Hartkopf. „Damit haben gerade Kinder und Jugendliche auch weiterhin die Möglichkeit, die Folgen der dramatischen Ereignisse zu verarbeiten.“

Im November 2021 hat Plan International Deutschland angesichts der gravierenden Auswirkungen der Flutkatastrophe die Nothilfe für Kinder und Jugendliche auf Eschweiler (Nordrhein-Westfalen) ausgeweitet. Dorthin sind seither nahezu 600.000 Euro an Spendengeld geflossen. Im Wesentlichen sind damit ebenfalls ein Beratungsbus sowie zweieinhalb Stellen, unter anderem für Mitarbeitende der mobilen Jugendarbeit sowie für psychosoziale Beratung, finanziert worden. Bei mehr als 130 Fahrten mit dem Bus sind mehr als 1.000 Mal Jugendliche betreut worden. 

Jugendliche verarbeiten Erfahrungen in einem Mahnmal

Höhepunkt der Aktivitäten in diesem Jahr ist die Enthüllung eines Mahnmals, das an die Flutkatastrophe erinnern soll. An dem Kunstwerk haben betroffene Jugendliche unter Mithilfe eines Künstlers gearbeitet. Herausgekommen ist ein Stelen-Arrangement auf einem Fundament mit einem Durchmesser von 3,70 Metern – angelehnt an den höchsten Pegelstand des Flusses Inde in Eschweiler vom 15. Juli 2021. Dabei umrahmen sie einen Monolithen. Höhe: ebenfalls 3,70 Meter. „Dieses Kunstwerk ist ein Paradebeispiel für Beteiligung von Jugendlichen“, sagt Kathrin Hartkopf. „Indem sie an diesem Werk arbeiten, verarbeiten sie ihre Erlebnisse der Flut. Dieses Projekt trifft den Kern der Arbeitsweise von Plan International. Die Jugendlichen haben ihre Erlebnisse verarbeiten und wortwörtlich in Stein hauen können."

Ein Element des Mahnmals: Eine rechteckige Säule, auf der eine Figur zu sehen ist, die zur Sonne emporschaut.
Durch die künstlerische Gestaltung konnten Jugendliche ihre Erfahrungen verarbeiten.Plan International
Eine Gruppe Menschen steht am Mahnmal zur Flutkatastrophe in Eschweiler. Es besteht aus einem Monolithen, der von kleineren Skulpturen umrundet ist.
Eine Gruppe Jugendlicher wirkte an der Erschaffung eines Mahnmals mit, das an die Flutkatastrophe erinnern soll.Plan International

Die 17-jährige Lisa erzählte bei der Einweihung von ihrer Traurigkeit angesichts der Zerstörung vor einem Jahr. Wut und Angst habe sie gehabt. Sie entschied sich aber das Thema Hilfsbereitschaft an ihrem Stein zu bearbeiten. „Weil jeder mit angepackt hat, egal ob man sich kannte oder nicht“, wie sie vor den etwa 50 Gästen sagte. Amjed, ebenfalls 17 Jahre alt, hatte sich das Thema Frieden ausgesucht. „Weil es Opfer gab.“ Und Lena (16) hat angesichts der Spuren und Zerstörung ihren Stein zum Thema Umweltzerstörung gestaltet. „Ich habe Sorge, dass so etwas in Zeiten des Klimawandels wieder passieren kann.“ 

„Ich habe Sorge, dass so etwas in Zeiten des Klimawandels wieder passieren kann.“

Lena (16)
Lena (16)

Ausweitung der Nothilfe

Die weiteren Plan-Projekte in Eschweiler: Es werden Spielplätze aufgebaut und ein Jugendaustausch nach Ghana organisiert, um ein gemeinsames Verständnis der Betroffenen für die Folgen des Klimawandels zu entwickeln und Antworten auf die globalen Herausforderungen zu finden. Die Aktivitäten von Plan International Deutschland werden noch bis Ende kommenden Jahres laufen. Weitere rund 180.000 Euro unter anderem für Personalkosten stehen für das kommende Jahr bereit. Kathrin Hartkopf: „Auch in Eschweiler können wir gemeinsam und auf Augenhöhe mit den Betroffenen nachhaltig und langfristig an der Bewältigung der Katastrophe arbeiten.“

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