Zwangsheirat wird auf allen Kontinenten praktiziert. © Plan International / Magnus Berggren
Mädchen werden unter anderem in Bangladesch früh verheiratet – oft zu früh. © Plan International / Magnus Berggren

Zwangsheirat jetzt stoppen

Nach Angaben von UNICEF wurden 700 Millionen der heute lebenden Frauen weltweit vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet, jede Dritte bereits bevor sie 15 Jahre alt war. Kinderehen und frühe Verheiratungen sind auf allen Kontinenten verbreitet, besonders aber in Afrika südlich der Sahara sowie in Südasien. Allein in Indien lebt jede dritte als Kind verheiratete Frau.

Millionen Mädchen werden im Kindesalter verheiratet. Helfen Sie mit der Übernahme einer Patenschaft!

Fakten zur Frühverheiratung

Grundsätzlich werden sowohl Mädchen als auch Jungen früh verheiratet. Allerdings ist der Anteil der Mädchen erheblich höher. Im westafrikanischen Niger zum Beispiel wurden 77 Prozent der Frauen zwischen 20 und 49 Jahren als Kind verheiratet und nur 5 Prozent der Männer. Sehr junge Frauen werden meist mit - zum Teil erheblich - älteren Männern verheiratet. In Mauretanien und Nigeria beispielsweise sind mehr als die Hälfte der verheirateten 15- bis 19-Jährigen mit Männern verheiratet, die mindestens zehn Jahre älter sind als sie.

Innerhalb der Länder, in denen Kinderhochzeiten praktiziert werden, gibt es teilweise erhebliche Unterschiede zwischen ländlichen und städtischen Gebieten: So werden in Äthiopien beispielsweise in der nördlichen Provinz Amhara 75 Prozent der Mädchen früh verheiratet, während es in der Hauptstadt Addis Abeba 26 Prozent sind.

Des Weiteren gibt es einen großen Unterschied zwischen den ärmsten und reichsten Familien eines Landes. So beträgt das Heirats-Durchschnittsalter für Mädchen der ärmsten Familien in Indien nur wenig mehr als 15 Jahre, während junge Frauen aus den reichsten Familien sich im Schnitt mit knapp 20 Jahren binden.

Frühverheiratung in Simbabwe

Warum sehen viele Eltern in Entwicklungsländern - wie hier in Simbabwe - die frühe Verheiratung ihrer Töchter oft als einzige Lösung? Und was bedeutet das für die Mädchen? Diese Fragen beantwortet unsere Geschäftsführerin Maike Röttger im Video.


Ja, ich möchte Kindern in Simbabwe helfen!

Wann ist ein Kind ein Kind?

Mit Einschränkungen definiert die UN-Kinderrechtskonvention von 1989 ein Kind als Menschen unter 18 Jahren. Diese Definition wird inzwischen für viele internationale Abkommen genutzt und auch von Plan International vertreten. Dementsprechend wird unter „Kinderheirat“ eine Ehe verstanden, in der mindestens einer der Eheleute noch keine 18 Jahre alt ist. Parallel dazu wird der Begriff „frühe Heirat“ verwendet. Dieser Begriff berücksichtigt, dass in vielen Ländern, in denen Kinder verheiratet werden, zum Beispiel Mädchen, sobald sie Brüste und ihre Menstruation bekommen, nicht mehr als Kinder angesehen werden, sondern als Frauen.



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Gesellschaft erzwingt oft Kinderehe

Traditionen und soziale Normen spielen eine entscheidende Rolle bei der Frühverheiratung. Eine Studie von Plan International in Westafrika ergab, dass minderjährige Mädchen verheiratet werden, wenn sie nicht mehr in die Schule gehen, zum Beispiel weil sie die Versetzungsprüfungen nicht geschafft haben. Wenn das Mädchen dann bereits pubertiert, wird sie als erwachsen angesehen und die Familie sieht die Gefahr, dass sie sexuelle Kontakte hat.

Dies würde jedoch vor einem Ehebündnis eine Schande für die Familie bedeuten, erst recht, wenn das Mädchen schwanger wird. Um die Familie davor zu schützen, wird das Kind verheiratet. Darüber hinaus sind junge Frauen vor sexuellen Übergriffen besser geschützt, wenn sie verheiratet sind. Dieser Schutzaspekt bekommt eine noch größere Bedeutung bei Katastrophen und humanitären Krisen.

Mädchen werden zudem von der Gemeinschaft als erwachsene Frauen anerkannt, wenn sie verheiratet sind und Kinder haben. Dieser gesellschaftliche Druck wird auch durch Gleichaltrige erzeugt, die bereits verheiratet und Eltern sind. Eine große Rolle spielt dabei auch das traditionelle Bild, das die in Westafrika sehr populären Nollywood-Filme (romantische Liebesfilme aus Nigeria) von der Rolle der Frau transportieren.

Auch in Lateinamerika versuchen die Mädchen häufig durch Heirat und Mutterschaft die Anerkennung als Erwachsene zu erreichen. Die Ehe versetzt sie in einen anderen gesellschaftlichen Status. Jetzt hat die junge Frau ein Zuhause, um das sie sich kümmern muss. Sie kann abends mit ihrem Mann ausgehen und hat Zugang zu Selbsthilfe- und Gesundheitsgruppen. Insbesondere wenn sie schwanger ist, bekommt sie zudem mehr Anerkennung und Freiheiten als vorher.

„Wenn ein Mädchen seine Periode bekommt und ihr Körper entwickelt ist, ist sie erwachsen und bereit zu heiraten. Ein Junge muss ein paar Jahre warten, weil er die Reife langsamer erreicht als ein Mädchen.“

(Village Chief, Mali)

Mögliche Folgen einer Frühverheiratung



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Kinderehen aus Armut

Armut spielt bei der Zwangsverheiratung eine große Rolle. Da eine Eheschließung sehr viel Geld kostet, kann sich eine ärmere Familie eine Feier nicht leisten. Laut einer Studie, finden daher zum Beispiel in Mali Massenhochzeiten mit bis zu 300 Paaren gleichzeitig statt. Diese werden zum Teil auch von Unternehmen wie Parfüm-Herstellern finanziert. Andere Familien, zum Beispiel in Indien, verheiraten aus dem gleichen Grund alle ihre Töchter - unabhängig von ihrem Alter - auf einmal.

„Ich habe drei Töchter - 17, 15 und 13 Jahre alt - und wir werden sie alle zusammen verheiraten. Sie wollen nicht verheiratet werden, aber wie erklären wir ihnen, dass es eine teure Angelegenheit ist? Wenn jemand gut verdient, kann er sich mehrere Feiern leisten. Wenn wir es in einer Feier machen, sparen wir Geld.“

(Mutter unverheirateter Töchter, Indien)

„Wenn du eine große Familie mit vielen Mädchen hast und du hast nichts zu essen […] und dann kommt ein reicher Mann und sagt dir, dass er eine deiner Töchter möchte. Was soll man dann tun? Sagst du nein zu ihm und schaust deinen Kindern beim Sterben zu oder willigst du ein und er nimmt deine Tochter mit und passt auf sie auf und du bekommst auch noch Geld?“

(Mutter in Niger)

Was macht Plan International?

Obwohl den Menschen bewusst ist, dass die Gesetzgebung ein höheres Mindestalter für die Ehe festlegt, halten sie an ihren Traditionen fest. Das bedeutet für die Arbeit von Plan International, dass Aufklärung darauf abzielen muss, den Vorteil für die Familien und Gemeinden herauszustellen, den sie davon haben, wenn Mädchen und Jungen, Frauen und Männer gleichberechtigt sind und ungehinderten Zugang zu umfangreicher und qualifizierter Bildung haben.

Wir von Plan International tragen dazu bei, dass Bildungsstätten für Jungen und Mädchen erreichbar sind und ihnen die hochwertige Ausbildung und Förderung bieten, die sie brauchen.

Eltern versetzen wir im Rahmen von einkommenschaffenden Maßnahmen in die Lage, auf die intensive Mitarbeit ihrer Kinder weitestgehend verzichten zu können, so dass die Kinder Zeit haben zu lernen. Um die Schulwege für Mädchen so sicher wie möglich zu machen, werden weiter entfernt liegende Bildungsstätten mit Schlafsälen für Mädchen ausgestattet.

Wir arbeiten mit Jungen und Mädchen zum Thema Gleichberechtigung und ihrem Rollenverständnis. So werden eigene Rollen hinterfragt und geschlechtsspezifische Gewalt abgebaut. Zusätzlich gibt es Programme, die speziell die Gewalt an Schulen - sowohl unter den Schülerinnen und Schülern als auch zwischen den Lehrenden und Lernenden - reduzieren sollen.

Wir nutzen Medien wie Radio, Fernsehen, Internet und soziale Medien, um mit Programmen und Spots zu Kinderrechten und schädlichen traditionellen Praktiken wie Zwangsehen aufzuklären und ein gesellschaftliches Umdenken in Gang zu setzen. Jugendliche erhalten die Möglichkeit, eine Berufsausbildung zu absolvieren. Hier arbeiten wir teilweise eng mit der lokalen Wirtschaft zusammen. Insbesondere für Mädchen ist es wichtig, positive Vorbilder zu schaffen. So muss der Anteil der Lehrerinnen erhöht werden, aber auch der Anteil der Mitarbeiterinnen von Plan International und unserer lokalen Partnerorganisationen, die beispielsweise mit dem Motorrad entlegene Gemeinden besuchen.

Für bereits zwangsverheiratete Mädchen bieten wir Möglichkeiten, weiter eine Schule zu besuchen, eine Ausbildung zu machen oder an einkommenschaffenden Maßnahmen teilzunehmen. Hier leisten wir Aufklärungsarbeit bei den Mädchen, in den Familien und Gemeinden und zeigen auf, wie sehr der Wohlstand und die Gesundheit der Familien vom Bildungsstand der Mütter abhängt.



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