Viva con Agua:

Mit Kunst, Musik und Sport zu mehr Gleichberechtigung
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Die Wasserinitiative Viva con Agua de St. Pauli aus Hamburg setzt sich als Non-Profit-Organisation weltweit für den Zugang zu sauberem Trinkwasser ein. Das Motto des gemeinnützigen Vereins ist "Wasser für alle - alle für Wasser".

Viva con Agua und Plan International finanzieren dieses Projekt durch Spenden, die für den guten Zweck zusammengekommen sind. So ermöglichen beide Organisationen vielen Menschen den Zugang zu Wasser weltweit.

Tobias Rau, geschäftsführender Vorstandsvorsitzender von Viva con Agua

„Wir freuen uns sehr darauf, gemeinsam mit unserem neuen Partner Plan International ein Projekt in Simbabwe umzusetzen. Bislang waren wir in dem südostafrikanischen Land noch nicht aktiv, sehen aber großes Potenzial, die Lebensbedingungen der Menschen durch den Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen zu verbessern und unserer Vision ‚Wasser für alle’ ein Stück näher zu kommen.“

Individualprojekt: „Kwekwe Youth for Water (KY4W)“ in Simbabwe

Am 1. Juli 2019 starteten Plan International und Viva con Agua das gemeinsame Wasserprojekt „Kwekwe Youth for Water (KY4W)“ in Simbabwe. Das Projekt hat zum Ziel, mehr als 5.000 Menschen in der Region Kwekwe mit sauberem Trinkwasser zu versorgen und die Sanitäranlagen an vier Schulen zu verbessern.

In den ländlichen Gebieten von Simbabwe bedrohen wirtschaftlichen Krisen und wiederkehrende Dürren die Ernährungssicherheit und Wasserversorgung der Bevölkerung. Vielerorts fehlen dringend benötigte Investitionen in die Wasser- und Sanitärversorgung. So haben 70 Prozent der Bevölkerung im ländlichen Projektbezirk Kwekwe kein sauberes Trinkwasser und nur 10 bis 15 Prozent verfügen über einen Zugang zu Sanitäranlagen.

 

Händewaschen in Simbabwe

Sauberes Wasser für Schulen

Besonders Mädchen leiden unter diesen Bedingungen. Während der Menstruation gehen viele Mädchen nicht zur Schule, da die Latrinen dort nicht ausreichend auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind und es ihnen an Privatsphäre fehlt. Sie verpassen so jeden Monat bis zu einer Woche Unterricht, was nicht selten sogar zu einem verfrühten Schulabbruch führt.

Mädchen brauchen sichere Toiletten oder Waschräume und Zugang zu Hygieneartikeln. Denn nicht jedes Mädchen kann sich wichtige Artikel während ihrer Periode leisten. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen geht jedes zehnte Mädchen in Afrika nicht mehr regelmäßig zur Schule, sobald es seine Menstruation hat. So haben die Mädchen und jungen Frauen nur schlechte Chancen, später ein sicheres Einkommen zu erhalten und selbstständig zu leben. Vor dieser Herausforderung stehen viele jungen Frauen weltweit. 

Im Rahmen des Projekts errichten wir zusammen mit Viva con Agua geschlechtergetrennte Waschräume für Jungen und Mädchen und sichern die sanitäre Grundversorgung. Wir bilden lokale WASH-Komitees aus, deren Mitglieder sich um die Anlagen und den Zugang zu Wasser kümmern und auch Mädchen und junge Frauen während ihrer Periode unterstützen. WASH steht für Water, Sanitation and Hygiene, also Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene. Zudem schulen wir mit Viva con Agua Lehrkräfte, um dazu beizutragen, dass Vorurteile, die das Selbstvertrauen, die Würde oder sogar die Sicherheit von Mädchen einschränken, abgebaut werden. Dafür veranstalten wir auch Schulungen für Mädchen und Jungen zu den sexuellen und reproduktiven Rechten und Gesundheit.

Jugendliche in Simbabwe

Wissen vermitteln - mit Sport, Musik und Kunst

In den nächsten drei Jahren sollen durch das WASH-Projekt von Plan International und Viva con Agua mehr als 3.000 Mädchen und Jungen der Region Kwekwe einen sicheren Zugang zu Wasser erhalten.

Gleichzeitig lernen sie bei Sportwettbewerben, musikalischen und künstlerischen Aktivitäten auf spielerische Weise mehr zur Bedeutung von Sanitärversorgung und Hygiene für die Gesundheit. Dadurch lassen sich Spaß und Freude, aber auch eine starke Botschaft transportieren, um die Kinder und Jugendlichen zu erreichen und zum Mitmachen zu aktivieren. Dadurch wollen wir mit Viva con Agua eine langfristige Veränderung in den Gemeinden erreichen.

Das Projekt "Kwekwe Youth for Water" in der Übersicht

Projektregion:
Kwekwe

Projektlaufzeit:
September 2019 – August 2022

Budget: 
431.027 €

Ziele:

  • Verbesserte Lebensbedingungen von 3.048 Menschen, insbesondere von Mädchen und jungen Frauen, durch einen nachhaltigen Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen
  • Verbesserte Bedingungen und gestärktes Bewusstsein für die Menstruationshygiene von Mädchen in Schulen und Gemeinden

Maßnahmen:

  • Bau von 4 Wasserversorgungsstellen für 3.048 Menschen
  • Bau und Ausstattung von inklusiven, geschlechtssensiblen Sanitäranlagen an 4 Schulen mit Waschräumen für 648 Mädchen
  • Wissensvermittlung und Bewusstseinsstärkung zu gemeindebasierter Sanitärversorgung und nachhaltigem Management mit den universellen Sprachen Sport, Musik, und Kunst
  • Schulung von 50 Jugendlichen und 100 traditionellen Gemeindeautoritäten für den Einsatz für die Enttabuisierung von Menstruation und Hygienebedürfnisse von Mädchen
  • Wirtschaftliche Stärkung von 180 Jugendlichen (126 Mädchen, 54 Jungen)

Was wir erreichen wollen

Simbabwe

In den ländlichen Gebieten von Simbabwe fehlen vielerorts dringend benötigte Investitionen in die Wasser- und Sanitärversorgung. In der Projektregion Kwekwe haben 70 Prozent der Bevölkerung kein sauberes Trinkwasser. Nur 10 bis 15 Prozent der Menschen haben Zugang zu Sanitäranlagen. Vor allem Mädchen und Frauen leiden unter diesen Bedingungen. Zum einen sind sie traditionell für das Wasserholen zuständig, zum anderen fehlen ihnen während der Menstruation die notwendigen Hygienemöglichkeiten. In den Schulen verpassen die Mädchen so jeden Monat bis zu einer Woche Unterricht. Traditionelle Normen tabuisieren die Menstruation, sodass sich die Mädchen meist nicht trauen, auf ihre Situation aufmerksam zu machen und ihr Recht auf Bildung einzufordern.

In diesem Projekt bauen wir Brunnen und mädchenfreundliche Sanitäranlagen an vier Schulen. Rund 1.099 Schüler:innen profitieren von diesen Maßnahmen. Die neuen Toiletten und Waschgelegenheiten bieten insbesondere Mädchen angemessene Hygienebedingungen und Privatsphäre für die Monatshygiene. In den Projektgemeinden reparieren wir Brunnen und Wasseranlagen für rund 5.000 Gemeindemitglieder. An allen vier Projektschulen etablieren wir Gesundheits- und Hygieneclubs. Bei Sportwettbewerben, Musik und künstlerischen Aktivitäten, die mit Aufklärungsmaßnahmen verknüpft werden, sensibilisieren wir Kinder und Erwachsene für die Bedeutung von sauberem Wasser, Hygiene und die Rechte von Mädchen.

Was wir für den Projekterfolg tun

Partizipative Projektplanung

Im November 2019 kamen im Projektgebiet Kwekwe Mitarbeiter:innen von Plan Deutschland, Plan Simbabwe und dem Projektpartner Viva con Agua zu einem Workshop zusammen. Sie besuchten die Projektschulen und tauschten sich mit Schüler:innen, Lehrkräften und Gemeindevertreter:innen aus. Ziel war es, die Bedürfnisse und Prioritäten hinsichtlich der Wasser- und Sanitärsituation zu klären und die Bedeutung des Projektes für die Gemeinden zu besprechen. Der Austausch bestätigte den Bedarf der Gemeinden an einer besseren Wasser- und Sanitärversorgung und führte zu einigen Anpassungen in den Projektmaßnahmen.

Bedarfsanalyse zur Wasser- und Sanitärversorgung

Mit einer technischen Bedarfsanalyse in den vier Gemeinden Nyakwati, Donjane, Tombankala und Ntobe legten wir den Grundstein für die Verbesserung der Wasser- und Sanitärsituation an den vier Projektschulen. Die Analyse wurde von einem Team aus Sachverständigen und Vertreter:innen der zuständigen Behörden durchgeführt. Die Analyse zeigte, dass die Wasser- und Sanitärstruktur in der Nyakwati- Grundschule und der Ntobe-Sekundarschule so schwer beschädigt ist, dass neue Wasserstellen und Toiletten errichtet werden müssen.

„Es gibt Risse in jeder Wand – das ist eine Todesfalle für Kinder! Aber die Schule hat keine andere Möglichkeit, als die Kinder diese Toiletten benutzen zu lassen“.
Schulleiter der Nyakwati-Grundschule zu den schweren Bauschäden an den Schultoiletten

Basierend auf der Bedarfsanalyse wird die Nyakwati-Grundschule im Projektverlauf neue nach Geschlechtern getrennte Sanitäranlagen, Handwascheinrichtungen und eine eigene Wasserstelle erhalten. Denn weil ein Brunnen bisher fehlt, müssen die Schüler:innen und Lehrkräfte jeden Tag weit laufen, um Wasser zu holen. Die zwei Sekundarschulen in Donjane und Tombankala verfügen zwar über eigene Wasserstellen und  Sanitäranlagen, diese sind jedoch unzureichend oder stark beschädigt, sodass sie repariert und ausgebaut werden müssen. An allen vier Projektschulen werden wir die benötigten Arbeiten durchführen und so für eine intakte und geschlechtergerechte Wasser- und Sanitärversorgung sorgen. Die Lernbedingungen der derzeit 1.099 Mädchen und Jungen an den vier Schulen werden sich dadurch entscheidend verbessern.

Recht der Mädchen auf Bildung sichern

Im Rahmen des Projektes schaffen wir nicht nur durch adäquate Sanitäranlagen angemessene Bedingungen, damit Mädchen regelmäßig am Unterricht teilnehmen können. Wir setzen uns auch dafür ein, das Bewusstsein für Themen der Menstruation zu stärken und Vorurteile abzubauen. Als ersten Schritt nahmen wir dafür eine Analyse des Wissens und der Praktiken zur Menstruationshygiene vor. Im Februar 2020 führten wir Gruppendiskussionen, Interviews und Umfragen mit Schüler:innen, Lehrkräften, Gesundheitspersonal und Gemeindevertreter:innen durch. 205 Personen nahmen an diesen Diskussionen und Befragungen teil.

Was die Analyse offenbarte: Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage können sich viele Mädchen keine Hygieneartikel wie Binden leisten. Stattdessen nutzen sie alte Kleidung oder Stofffetzen, welche das Risiko von Infektionen erhöhen. Eine Projektaktivität wird daher sein, die Mädchen bei der Eigenproduktion von gesundheitlich unbedenklichen, wiederverwendbaren Stoffbinden zu unterstützen. Alle Schulen statten wir zudem mit Hygieneartikeln wie Binden, Seife und Handtüchern aus.

Bei allen befragten Mädchen spielte zudem die Wasserknappheit eine entscheidende Rolle für die Hygienemöglichkeiten. Schülerinnen der Ntobe-Sekundarschule betonten, dass die Wege zur Wasserstelle zu lang und das Wasser zu wenig für eine angemessene Hygiene sind. Deshalb würden sie aus Scham während ihrer Periode dem Unterricht fernbleiben.

„Ich kann mich doch nicht erniedrigen, um in die Schule zu kommen, wo ich doch weiß, dass ich am Ende nur mein Kleid ruiniere. Niemals!“ 
Eine Schülerin der Ntobe-Sekundarschule

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