Projekt: Mädchen vor Beschneidung schützen

Guinea gehört zu den Ländern mit der höchsten Rate weiblicher Beschneidungsopfer weltweit: Laut offizieller nationaler Erhebungen sind 97 Prozent der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren beschnitten. Die nationale Gesetzgebung verbietet zwar Genitalverstümmelung, wird aber bisher nicht umgesetzt. In unserem Folgeprojekt tragen Aufklärungsarbeit, Dialogveranstaltungen und alternative Initiationsriten dazu bei, dass mehr Mädchen vor der Verstümmelung geschützt werden und dass sich mehr Gemeinden bereit erklären, mit diesem gewaltvollen Ritus zu brechen.

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Ziele:
  1. Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung in möglichst vielen Projektgemeinden
Maßnahmen:
  1. Dialog- und Informationsveranstaltungen in 80 Projektgemeinden
  2. Alternative Initiationsriten für rund 2.000 Mädchen
  3. Radiobeiträge zur Aufklärung über das Thema
  4. Aufbau und Unterstützung von Beratungsstellen
  5. Neue Einkommensquellen für ehemalige Beschneiderinnen

Was uns in Guinea erwartet

In Guinea ist die weibliche Genitalverstümmelung landesweit verbreitet. Sie ist stark mit kulturellen Werten verbunden und dem Glauben vieler Menschen nach religiös verankert. 97 Prozent der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren in Guinea sind beschnitten. Die nationale Gesetzgebung verbietet die Praxis zwar, es gibt jedoch keine konsequente strafrechtliche Verfolgung. In vielen Gemeinden findet die Praxis immer noch Unterstützung und stellt einen wichtigen Teil der weiblichen Initiationsriten dar. Meist sind es ältere Frauen oder Hebammen, die die Beschneidung durchführen und sich damit ein Einkommen sichern. Für die betroffenen Mädchen und Frauen sind die körperlichen und seelischen Folgen gravierend und stellen eine schwere Kinder- und Menschenrechtsverletzung dar.

Projektaktivitäten Februar 2021 - Juli 2021

Zwischen Februar und Juli 2021 führten Mitglieder von Jugendclubs 34 Sensibilisierungskurse an 20 Schulen durch. Die Kurse richteten sich vor allem an Eltern und zielten darauf ab, die negativen Folgen von FGM/C aufzuzeigen und ihnen ihre Rolle beim Schutz ihrer Töchter bewusst zu machen. Darüber hinaus wurden die Teilnehmer:innen auch  über geschlechtsspezifische Gewalt und andere negative Praktiken wie etwa Kinderheirat aufgeklärt. Auch die Bedeutung von Bildung für Mädchen wurde thematisiert. Insgesamt konnten so 8.661 Gemeindemitglieder, darunter 1.509 Frauen und 2.483 Mädchen, erreicht werden. Besonders erfreulich ist, dass die Aufklärungsveranstaltungen bereits Wirkung zeigen: So sind die Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt zurückgegangen und auch die Stigmatisierung von unbeschnittenen Mädchen hat nachgelassen.

Zudem organisierten die drei Beratungsstellen acht Sensibilisierungstouren in Form von partizipativen Theateraufführungen, Fokusgruppengesprächen und Umfragen zu FGM/C. Ziel der Touren ist es, die Gemeinden über weibliche Genitalverstümmelung und die Gesetzeslage aufzuklären sowie kommunale Politiker:innen und Vertreter:innen von lokalen Behörden zur stärkeren Durchsetzung der Verbote zu bewegen. Insgesamt nahmen 4.259 Personen an den Veranstaltungen teil.

Damit sich möglichst viele Gemeinden zur Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung bekennen, veranstaltete der guineische Kinder- und Jugendbeirat zwei Runde Tische. Daran nahmen Mitglieder von Kinder- und Jugendverbänden, Regierungsvertreter:innen sowie religiöse Autoritäten teil. Ziel war es, einflussreiche Persönlichkeiten für die schweren Folgen der Beschneidung zu sensibilisieren und sie über die Rechte von Mädchen und Kindern aufzuklären, damit sie sich für die Abschaffung der Praxis einsetzen. Am Ende der Diskussionsrunden erstellten die Teilnehmer:innen ein Memorandum, welches basierend auf der Gesetzeslage Beschlüsse zur Abschaffung von FGM/C enthält.

Anlässlich des Internationalen Tags gegen weibliche Genitalverstümmelung am 6. Februar und des Internationalen Frauentags am 8. März organisierten wir Informationsveranstaltungen in den Gemeinden. An diesen Tagen fanden daher viele Aktionen wie Podiumsdiskussionen, Dialogveranstaltungen und Umzüge statt, in denen Botschaften wie „Beschneidung stoppen, Gleichberechtigung fördern“ und „Nicht beschnittene Mädchen sind vollwertige Menschen“ verbreitet wurden. Zusätzlich wurden an diesen Tagen Radiobeiträge ausgestrahlt, die über FGM/C und geschlechtsspezifische Gewalt informierten.

Eines unserer Projektziele ist es, alle 80 Gemeinden dazu zu bewegen, sich zur offiziellen Abschaffung von FGM/C zu bekennen. In diesem Zusammenhang fanden im Berichtszeitraum in 42 weiteren Gemeinden feierliche Unterzeichnungen der öffentlichen Erklärung zur Abschaffung von weiblicher Genitalverstümmelung statt. Dabei wurde die Erklärung vorgelesen und anschließend von den Gemeindevertreter:innen unterschrieben. Durch das Unterzeichen verpflichteten sich die Gemeinden, Kinderrechte zu schützen und zu fördern sowie die Praxis von FGM/C abzuschaffen. Somit haben nun alle geplanten 80 Gemeinden die Erklärung unterzeichnet.

Zur Stärkung der Kinderschutzstrukturen in den Gemeinden wurden bereits in der Vergangenheit Kinderschutzkomitees gegründet. Diese führten in den ländlichen Gemeinden  Aufklärungsgespräche und Massensensibilisierungen durch. Sie nutzten Bildboxen, um die Gemeindemitglieder für Themen wie weibliche Genitalverstümmelung, Frühverheiratung, Erkennung von geschlechtsspezifischer Gewalt sowie die Bedeutung von Bildung zu sensibilisieren. Mit den Maßnahmen wurden insgesamt 24.696 Teilnehmer:innen, davon 6.561 Frauen und 6.301 Mädchen, erreicht.

Die drei Beratungsstellen, die in Coyah, Kissidougou und Guéckédou eingerichtet wurden, bieten  betroffenen Mädchen und Frauen einen geschützten Raum, in dem sie Beratung und Unterstützung erhalten. Im Berichtszeitraum wurden dort zehn Fälle von Gewalt gegen  Mädchen gemeldet, davon acht Vergewaltigungen sowie je ein Fall von drohender Beschneidung und Frühverheiratung. Die betroffenen Mädchen erhielten psychosoziale  Unterstützung sowie rechtliche Betreuung.

Die Spargruppen bieten den Mitgliedern die Möglichkeit, Einkommen schaffende Maßnahmen umzusetzen.
Die Spargruppen bieten den Mitgliedern die Möglichkeit, Einkommen
schaffende Maßnahmen umzusetzen.

Um die finanzielle Situation der Familien in den Projektregionen, vor allem von Frauen und ehemaligen Beschneiderinnen, zu verbessern, gründeten wir seit Projektbeginn 79  Spargruppen mit insgesamt 2.370 Mitgliedern. Über 70 Prozent davon sind Frauen. Zehn der Mitglieder nahmen an unternehmerischen Schulungen teil, in denen sie lernten, wie  sie Kleinstunternehmen gründen und beispielsweise mit dem Verkauf von landwirtschaftlichen Erzeugnissen ein eigenes Einkommen erwirtschaften. Anschließend geben sie das erworbene Wissen an die anderen Gruppenmitglieder weiter.

Um die Wirkung der Projektmaßnahmen noch zu vergrößern, haben wir die Aktivitäten auf 35 weitere Gemeinden ausgeweitet. Auch dort führen wir alternative Initiationsriten für junge Mädchen durch, klären in den Gemeinden über die negativen Folgen von FGM/C auf und fördern die Gründung von Spargruppen, um ehemaligen Beschneiderinnen  Zugang zu alternativen Einkommensquellen zu ermöglichen. Aufgrund dieser Ausweitung des Projekts wird die Projektlaufzeit bis Mai 2022 verlängert.

Um die finanzielle Situation der Familien, vor allem der Frauen und ehemaligen Beschneiderinnen, zu verbessern, gründeten wir seit Projektbeginn 78 Spargruppen mit insgesamt 2.340 Mitgliedern, darunter 1.689 Frauen. Die dadurch entstehenden Fonds ermöglichen die Auszahlung kleiner Kredite, welche die Frauen beispielsweise zur  Gründung von Kleinstunternehmen nutzen können.

„Zum Glück ist FGM/C mittlerweile verboten“

Frau Koumba Minata Koundouno ist 37 Jahre alt und wohnt in einer der Projektgemeinden. Sie erzählt:

„Ich bin sehr dankbar, dass Plan dieses Projekt in unserer Gemeinde umsetzt. Die weibliche Genitalverstümmelung ist eine schädliche Praxis und hat schwerwiegende Folgen für die Betroffenen. Früher, als noch Beschneidungen in unserer Gemeinde durchgeführt wurden, kam es auch vor, dass Mädchen gestorben sind. Zum Glück ist FGM/C mittlerweile verboten. Zum Schutz unserer Töchter appelliere ich an alle Beschneiderinnen, das Verbot zu akzeptieren. Dank des Projekts haben sie die Möglichkeit, in Spargruppen einzutreten, um dort Geld anzusparen. So bleiben sie finanziell unabhängig und müssen keine Beschneidungen des Geldes wegen mehr durchführen.“

48 EUR:
kostet die Teilnahme von drei Gemeindemitgliedern an einer Dialogveranstaltung

64 EUR:
pro Person kosten die Schulungen für Gesundheits-, Bildungs-, Polizei- und Justizbehörden zur Aufklärung über FGM

181 EUR:
brauchen wir monatlich für den Betrieb einer Beratungsstelle für betroffene Mädchen und Frauen