Yen Nhi verabschiedet sich von ihrer Mutter, die als Shipperin Lebensmittel mit ihrem Motorrad ausliefert. ©Plan International
Yen Nhi verabschiedet sich von ihrer Mutter, die als Shipperin Lebensmittel mit ihrem Motorrad ausliefert. ©Plan International
23.08.2021 - von Sarah Koch

Spargruppen ermöglichen neue Berufsschancen in Vietnam

Die Corona-Pandemie hat den Alltag vieler Menschen komplett umgekrempelt. Kontaktbeschränkungen und Grenzschließungen stellen Bewohner:innen der ländlichen Regionen in Vietnam immer noch vor Herausforderungen: Landwirt:innen können ihre überschüssigen Produkte nicht wie gewohnt verkaufen, und Menschen, die in Grenzgebieten wohnen und arbeiten, verlieren ihre Jobs. Die Familie von Yen Nhi ist kreativ geworden, um sich an die neue Situation anzupassen und hat ein neues Geschäftsmodell auf die Beine gestellt.

Immer, wenn sie das Geräusch eines Motorrads hört, rennt die siebenjährige Yen Nhi aufgeregt in den Hof und wartet auf ihre Mutter, die nach Hause kommt. „Meine Mutter ist eine Shipperin“, erzählt sie stolz. „Mein Vater sagt, dass Shipper:innen helfen, Essen zu denen zu bringen, die es brauchen.“

Lieferant:innen auf Motorrädern, in der Gegend „Shipper:innen“ genannt, werden in Vietnam immer häufiger. Jeden Tag sammeln sie Waren ein und bringen sie ihrer Kundschaft. Diese Dienstleistung ist in Zeiten der Pandemie noch wichtiger geworden: In Vietnam gibt es strenge Einschränkungen der sozialen Kontakte und der Bewegungsfreiheit, um die Verbreitung von Covid-19 einzudämmen.

Yen Nhi wird dieses Jahr acht Jahre alt. Ihr kleiner Bruder Nhat Duy ist fünf und ist ein Patenkind bei Plan International. Nach den Neujahrsferien wurden die Schulen geschlossen, seitdem hat keines der Kinder mehr den Unterricht besucht. Die Eltern arbeiteten vor der Pandemie jenseits der Grenze in Laos, wo sie Reis und Bananen anbauten. Doch als die Grenzen geschlossen wurden, konnten sie nicht mehr arbeiten und verloren ihre Einkommensquelle. Nhis Vater Di wurde von der Gemeinde beauftragt, während der Nacht die Grenze zu wachen, um illegale Migration zu verhindern.

Nun musste Phuc, Nhis Mutter, die finanzielle Versorgung der Familie übernehmen, und war somit für ihren Ehemann, ihre zwei Kinder und ihre Mutter verantwortlich. In dem Bewusstsein, dass die Situation noch einige Zeit andauern könnte, mussten Do und Phuc einen neuen Weg finden, um Geld zu verdienen. „Wir haben viel diskutiert, und schließlich beschlossen, Geld von dem Sparkonto abzuheben, das wir seit etwa vier Jahren durch eine Spar- und Darlehensgruppe von Plan International haben. In dieser schwierigen Zeit waren wir sehr dankbar, dass wir einige Ersparnisse für unsere Familie angesammelt haben“, erklärt Phuc.

In den Nachbardörfern bauten die Bäuer:innen mehr an, als sie brauchten, um ihre Gemeinden zu versorgen. Aber wegen der Abriegelungen im Zuge der Pandemie-Bekämpfung konnten sie die Produkte nicht wie gewohnt verkaufen. Phuc und ihr Mann beschlossen, einen Sammel- und Lieferservice zu gründen, damit die Lebensmittel in andere Dörfer gelangen und verkauft werden können. Dieses Geschäftsmodell bringt ihrer eigenen Familie ein Einkommen und ermöglicht es den Landwirt:innen, ihre Waren trotz der Pandemie-bedingten Einschränkungen zu Kund:innen zu bringen.


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