Sadek (10) und sein Bruder Riyajul (7) vor dem Notzentrum von Plan International, das eine wichtige Anlaufstelle für Kinder ist, die während des Feuers im Cox’s Bazar Camp von ihren Familien getrennt wurden. © Wahid Zaman Shithi/ Plan International.
Sadek (10) und sein Bruder Riyajul (7) vor dem Notzentrum von Plan International, das eine wichtige Anlaufstelle für Kinder ist, die während des Feuers im Cox’s Bazar Camp von ihren Familien getrennt wurden. © Wahid Zaman Shithi/ Plan International.
16.04.2021 - von Verena Gresz

Nach dem Feuer: Nothilfe und Kinderschutz in Cox’s Bazar

Anjuman weiß nicht, wann das Feuer im Geflüchtetencamp begonnen hat oder wo es zuerst ausgebrochen ist. Sie weiß nur noch, wie die Flammen immer näherkamen und sie mit ihrer Familie um ihr Leben rannte. Und sie weiß auch, dass sie plötzlich allein war. Endlich in Sicherheit aber ohne ihre beiden Söhne, den 10jährigen Sadek und seinen sieben Jahre alten Bruder Riyajul.

In der Nacht zum 23. März 2021 brach in Cox’s Bazar, dem weltweit größten Geflüchtetencamp im Südosten Bangladesch, aus noch ungeklärter Ursache ein Feuer aus. Cox's Bazar beherbergt knapp eine Million Geflüchtete, fast ausschließlich Angehörige der Volksgruppe der aus Myanmar geflüchteten Rohingyas, von denen viele ein zweites Mal ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Der Brand zerstörte mehr als 10.000 Unterkünfte und ließ 48.300 Menschen erneut vor dem Nichts stehen.


Plan International initiierte sofort eine Koordination zur Nothilfe in Zusammenarbeit mit der Staatsregierung in Bangladesch. In der ersten Phase des Programms wurden Schutzmaßnahmen für die betroffenen Menschen organisiert, die sich im Besonderen an die vielen im Chaos von ihren Eltern getrennten Kinder richten. Drei Hilfszentren wurden eingerichtet, die als Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche dienen, ihnen Unterkunft und Verpflegung bieten und bei der Suche nach Verwandten helfen. 

Als sie sah, dass alles niedergebrannt war, wusste Anjuman zunächst nicht, wo sie mit der Suche anfangen sollte. Zum Glück waren ihre Söhne zu einem der Hilfszentren gebracht worden, wo sie neben einem Schlafplatz und Verpflegung, auch psychosoziale Unterstützung erhielten und wenige Tage später wieder mit ihrer Mutter vereint werden konnten. 

„Ich bin so dankbar, dass Sadek und Riyajul hier versorgt worden sind. Ich war krank vor Sorge, dass sie sich allein und schutzlos irgendwo verlaufen hätten,“ sagt Anjuman. 

Rabeya, die sich bereits vor dem Feuer als Helferin in einem Zentrum für jugendliche Mädchen engagierte, hat sich direkt nach der Katastrophe freiwillig gemeldet. Sie kümmert sich nun auch in den Notzentren um die besonderen Risiken, denen Mädchen und junge Frauen auch schon vor dem Feuer im Camp ausgesetzt waren und leistet seelischen Beistand für die Jugendlichen.  

“Ich bin froh, dass ich den Mädchen helfen kann. Ich unterstütze sie im Notzentrum und versuche ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie hier sicher sind. Das Feuer war schlimm genug, wir müssen dafür sorgen, dass diese Mädchen hier keine Angst vor Übergriffen oder anderen Sicherheitsrisiken haben,“ erklärt Rabeya.

Neben den drei Notzentren, hat Plan International acht zusätzliche Feuerwehrwachen eingerichtet. Freiwillige aus den umliegenden Dorfgemeinden, als auch geflüchtete Rohingya, wechseln sich im Schichtdienst ab, sodass alle Stationen rund um die Uhr besetzt sind und die betroffenen Bewohner:innen bei der Bewältigung der erlebten Katastrophe unterstützt werden können. 

Durch diese gemeinsamen Anstregungen, konnten in den ersten zehn Tagen nach dem Brand, bereits viele Menschen versorgt und durch das Feuer getrennte Familien – wie Anjuman und ihre Söhne Sadek und Riyajul – wieder vereint werden.

Plan International arbeitet seit 1994 in Bangladesch und ist sowohl in ländlichen Regionen als auch in urbanen Gebieten tätig, die von großer Armut geprägt sind und deren Bevölkerung besonders stark benachteiligt ist. Schwerpunkte der Arbeit sind neben Wasser- und sanitärer Versorgung auch die Verbesserung der Gesundheitssituation sowie kindorientierte Katastrophenvorsorge und Bildung.


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