Die Jugendlichen des Projektes Radio Pocolá bekamen 2014 für ihre erfolgreiche Arbeit den Ulrich Wickert Preis für Kinderrechte (Sonderpreis) verliehen. © Plan
Die Jugendlichen des Projektes Radio Pocolá bekamen 2014 für ihre erfolgreiche Arbeit den Ulrich Wickert Preis für Kinderrechte (Sonderpreis) verliehen. © Plan
13.02.2017

Radio Pocolá gibt Kindern eine Stimme

Am 13. Februar ist der UN-Radiotag. Gerade in ärmeren Ländern ist das Radio für viele Menschen eine wichtige Informationsquelle. Plan International nutzt das Medium, um ein Bewusstsein für Kinderrechte zu schaffen: In vielen Ländern hilft Plan Mädchen und Jungen, ihr eigenes Radioprogramm zu entwickeln und gibt ihnen damit eine Stimme. So wie in Guatemala, wo Maya-Mädchen und -Jungen einmal wöchentlich ihre eigene Radiosendung machen.  

Alida und Albertina sind Q’eqchi', Angehörige einer Volksgruppe der Mayas und leben im Landkreis San Pedro Carchá, circa fünf Autostunden nördlich der Hauptstadt Guatemala City. Sie zählen zu den ärmsten Menschen des zentralamerikanischen Landes. Viele Mädchen gehen nicht zur Schule oder brechen sie ab und heiraten früh. In Guatemala war es bis November 2015 erlaubt, dass Mädchen bereits mit 14 Jahren und Jungen ab dem 16. Lebensjahr heiraten. Plan hatte zusammen mit anderen Organisationen bewirkt, dass das Heiratsalter vor gut einem Jahr auf 18 Jahre heraufzusetzt wurde. Auch die Jugendlichen von Radio Pocolá machten sich für dieses Ziel stark, denn in ländlichen Regionen des mittelamerikanischen Landes werden Mädchen zum Teil schon im frühen Teenageralter schwanger.

Damit auch Maya-Mädchen eine gute Bildung bekommen, realisiert die Kinderhilfsorganisation zurzeit ein Projekt in San Pedro Carchá, bei dem Kinder aus 64 Gemeinden am Tele-Unterricht teilnehmen, also eine Lehrkraft mit Hilfe audiovisueller Mittel die Inhalte vermittelt. Vor Beginn des Projektes wurden die Kinder und ihre Eltern über die Bedeutung von Bildung aufgeklärt - und motiviert, selbst aktiv zu werden, wie zum Beispiel an einem Medientraining für Jugendliche.

Im Oktober 2008 nahmen fünf Mädchen der Gemeinde Pocolá an einem Medienkurs von Plan teil. Sie lernten ein eigenes wöchentliches Radioprogramm zu planen und zu entwickeln. Als sie mit „Saq’en Kutan Li Kok’al“ – das bedeutet „Licht der Kinder“ in Q’eqchi', zum ersten Mal auf Sendung gingen, waren Eltern, Geschwister und Nachbarn verblüfft. Sie konnten kaum glaubten, dass indigene Mädchen am Mikrofon saßen und in ihrer Sprache über Bildung und Kinderrechte diskutierten. Die Livesendung gewann schnell an Hörern. Inzwischen sind es jeden Mittwoch ab 14 Uhr Hunderte von Familien in der gesamten Region, die ihre Batterie betriebenen Radios anstellen, um die Jugendlichen zu hören. Manche besuchen auch das Studio oder schicken Kommentare per Handy.

Darüber hinaus motivierte die Sendung weitere Jugendliche, selbst Radiosendungen zu produzieren. So gibt es aktuell in San Pedro Carchá ein Netzwerk von 25 jungen Moderatorinnen und Moderatoren. Jeden Mittwochnachmittag treffen sie sich für eine Stunde zu ihrem Radioprogramm „Luz de los Ninos“ (Das Licht der Kinder). Gesprochen wird in Q’eqchi, der lokalen Mayasprache. Die Eltern unterstützen das Projekt und motivieren auch ihre Töchter, eine weiterführende Schule zu besuchen und abzuschließen. Der Lokalsender in Pocolá stellt den Jugendlichen das Studio inzwischen kostenlos zur Verfügung, weil viele Zuhörer nach dem ersten Jahr und einer kurzen Sendeunterbrechung um eine Fortsetzung baten.

Die Jugendlichen des Projektes Radio Pocolá bekamen 2014 für ihre erfolgreiche Arbeit den Ulrich Wickert Preis für Kinderrechte (Sonderpreis) von der deutschen Privatstiftung verliehen. 


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