Viele Familien in Ghana können es sich nicht leisten, ihre Kinder zur Schule zu schicken. © Plan International
Viele Familien in Ghana können es sich nicht leisten, ihre Kinder zur Schule zu schicken. © Plan International
28.03.2018

Neue Chance für Schulabbrecher in Ghana

In Ghanas ländlichen Gemeinden müssen viele Kinder die Schule abbrechen, weil ihre Familien zu wenig Geld haben. Das Projekt REACH soll sie wieder auf den Unterricht vorbereiten und Kinder aus einkommensschwache Familien finanziell unterstützen.

Die 14-jährige Hamdiya wohnt mit ihren Eltern und ihren Geschwistern in einer kleinen ländlichen Gemeinde im Norden Ghanas. Die siebenköpfige Familie lebt von der Landwirtschaft, doch das Geld reicht gerade für das Nötigste. Hamdiya musste die Schule abbrechen, weil ihre Eltern sich die Bücher und die Schuluniform nicht mehr leisten konnten. „Es war sehr schwer für uns, mit der Situation umzugehen“, erzählt ihre Mutter Senatu, „vor allem für unsere Tochter.“ Für Hamdiya brach eine Welt zusammen. Sie hatte immer Spaß am Lernen und war eine gute Schülerin. Durch ihren Abschluss wollte sie etwas verändern, sich eine Perspektive schaffen, um später einmal ein eigenes Einkommen zu haben. Doch der Traum von einem besseren Leben war damit geplatzt.

So wie Hamdiya ergeht es vielen Kindern in Ghana. Etwa ein Fünftel der Bevölkerung ist von extremer Armut betroffen, der Großteil davon lebt auf dem Land. Über die Hälfte der Ghanaer ist jünger als achtzehn Jahre. Mit dem Projekt „Reaching and teaching Out-of-School Children in Ghana“ (REACH) unterstützt Plan International in Zusammenarbeit mit dem ghanaischen Bildungsministerium Kinder wie Hamdiya dabei, wieder zur Schule zu gehen. Neun Monate lang werden sie in komprimierten Lerneinheiten darauf vorbereitet, am normalen Unterricht teilzunehmen, indem sie den verpassten Stoff nachholen. Außerdem trainiert Plan die Lehrkräfte, damit sie ehemalige Schüler besser in den Schulalltag integrieren können. Durch die Vergabe von Stipendien erhalten auch Kinder aus einkommensschwachen Familien die Möglichkeit, die Schule regelmäßig zu besuchen und ihren Abschluss zu machen.

Als ihre Eltern von dem Programm hörten, meldeten sie Hamdiya sofort an. „Wir haben ihr weniger Aufgaben im Haushalt und auf dem Feld zugeteilt, damit sie genug Zeit für die Kurse hat“, sagt ihre Mutter. Keine einfache Entscheidung, denn oft sind die Eltern auf die Hilfe der Kinder angewiesen. Bereut haben sie es trotzdem nicht - im Gegenteil. Nachdem die 14-Jährige das REACH-Programm abgeschlossen hatte, wechselte sie wieder auf ihre ehemalige Schule. Der Einstiegt fiel ihr nicht schwer. „Durch die Vorbereitungskurse konnte ich dem Unterricht gut folgen und meine Noten waren sogar besser als vorher“, sagt sie.

Hamdiya machte ihren Abschluss als beste ihres Jahrgangs und wurde sogar für ihre herausragenden Leistungen ausgezeichnet. „Als wir erfuhren, dass unsere Tochter zu den besten Schülerinnen der Schule gehört, waren wir sehr stolz“, erzählt ihr Vater. „Es hat uns klar gemacht, dass wir sie ermutigen müssen, weiter zu studieren. Wir haben unser Ackerland erweitert, damit wir von der zusätzlichen Ernte ihre Ausbildung bezahlen können.“ Auch Hamdiya selbst hat schon Pläne für ihre Zukunft. Sie möchte Krankenschwester werden, damit sie sich später einmal um ihre Eltern kümmern und ihre Gemeinde unterstützen kann.

Bis zum Jahr 2020 soll die Regierung von Ghana das Projekt REACH übernehmen und die Arbeit in ländlichen Gemeinden weiterführen. Auf diese Weise soll langfristig sichergestellt werden, dass alle Kinder die Chance auf Bildung und einen Schulabschluss erhalten und ihr volles Potenzial ausschöpfen können.


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