Hartnäckig und mutig begann Nisha schon mit 14 Jahren, sich für die Rechte von Mädchen einzusetzen. © Plan International
06.04.2017

Mutig und unbequem: Nishas Einsatz für Mädchen

Durch ihren bemerkenswerten Einsatz gegen Kinderheirat erreichte Nisha in ihrer Gemeinde etwas nahezu Revolutionäres. Unterstützt durch Plan International leitet die 17-Jährige heute eigene Jugendgruppen.

Nisha erinnert ihre Kindheit als glücklich und von kleinen Abenteuern geprägt. Es waren auch die Abenteuerlust und Tatkraft, die sie zu ihrem Einsatz für die Rechte von Mädchen brachten: Als Nisha 14 Jahre alt war, erzählte eine Mitschülerin ihr unter Tränen, dass sie gezwungen werde, einen älteren Mann zu heiraten und damit ihre Bildung und Zukunft aufzugeben. Nisha wurde sofort aktiv. Sie kontaktierte Plan International Indien und die indische Stiftung Integrated Development Foundation (IDF), die kurz zuvor ein gemeinsames Projekt in ihrem Dorf begonnen hatten. Zusammen mit ihnen ging sie zu dem Mädchen nach Hause, wurde jedoch hart abgewiesen: „Wir entscheiden, was das Beste für unsere Tochter ist und du hast dich schon gar nicht einzumischen“, sagten die Eltern, bevor sie die Haustür zuschlugen.

Riskant - aber erfolgreich: Widerstand gegen die Tradition

Hartnäckig blieb Nisha tagelang an Ort und Stelle. Ihr Widerstand sprach sich bis zur örtlichen Polizei und den Nachrichtenagenturen rum, die auch umgehend dort eintrafen. Durch Nishas Beharrlichkeit wurde die Hochzeit tatsächlich abgesagt und ihre Mitschülerin konnte weiterhin zur Schule gehen.

Nishas eigene Eltern machten sich jedoch Sorgen um ihre Sicherheit. In der Gemeinde gab es Getuschel, Nisha habe mit ihrer trotzigen Auflehnung gegen die Tradition eine Grenze überschritten. „Wir haben sogar darüber nachgedacht, sie weit weg zu ihrer Großmutter zu schicken, um gewiss zu sein, dass sie sicher ist“, sagten ihre Eltern.

Vom Aktivismus gepackt

Durch den mutigen Widerstand gegen die Tradition wurde Nisha das Gesicht einer Revolution, für die sie sich trotz der Risiken weiter einsetze. Unerschrocken und angespornt durch ihren Erfolg organisierte sie unzählige Informationsveranstaltungen mit Frühverheirateten, ihren Eltern und Eltern, die beabsichtigten, ihre Kinder zu verheiraten. Bei einer Gemeindeversammlung erklärte Nisha dem unfreiwilligen Publikum, welche Meilensteine jedes Kind in seiner Entwicklung erreichen sollte und wie die Wahrnehmung ihrer Rechte ermöglicht werden kann - in der Gemeinde und auf der ganzen Welt.
Rund elf Monate nach diesem Ereignis haben heute bereits 600 Bewohner ihres Dorfes einen Eid unterschrieben, der sie verpflichtet, die Kinderrechte einzuhalten. Nisha bekam außerdem Unterstützung der lokalen Regierung und konnte so eine Resolution durchzusetzen, mit der Gewalt gegen Mädchen verhindert und Kinderheirat in ihrem Dorf ein für alle Mal abgeschafft werden soll.

Nisha wurde die jüngste und schlagkräftigste Repräsentantin von Plan International in ihrer Gemeinde. Am Welt-Mädchentag 2016 konnte sie für einen Tag die Position des Dorfoberhauptes übernehmen  und die Wichtigkeit betonen, dass Mädchen in Themen und Entscheidungen, die sie betreffen, auch involviert werden. Neben der Schule leitet Nisha Kurse an Hochschulen und in anderen Gemeinden, um weitere Menschen zu ermutigen, Teil der Bewegung für Kinder- und Mädchenrechte zu werden. „Später möchte ich als Anwältin für das kämpfen, was richtig ist“, sagt Nisha.

Auch Plan International in Österreich und Deutschland setzt sich mit der Bewegung Because i am a Girl gegen Kinder-, Früh- und Zwangsheirat und für die Partizipation junger Frauen wie Nisha ein.


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