Über 400.000 Menschen sind bereits aus ihren Dörfern und Gemeinden geflohen; die Versorgungslage verschlechtert sich zunehmend. @ Plan International
Über 400.000 Menschen sind bereits aus ihren Dörfern und Gemeinden geflohen; die Versorgungslage verschlechtert sich zunehmend. @ Plan International
12.02.2019

Kamerun droht ein Bürgerkrieg

Ein Konflikt zwischen der englisch- und der französischsprachigen Bevölkerung eskaliert zunehmend. Hunderttausende Menschen fliehen vor Gewalt, Anschlägen und Entführungen.

Eric und seine Zwillingsschwester Diane* wurden entführt, als sie gerade auf dem Weg zur Schule waren. „Sie haben uns die Augen verbunden, wir konnten nicht sehen, wer sie waren oder wo sie uns hinbringen“, erinnert sich der 12-jährige Eric. Drei Tage lang hielten die Männer die Kinder in einem Waldstück gefangen, dann wurden sie freigelassen.

Immer wieder werden in Kamerun Schulkinder entführt. Englischsprachige Separatisten wollen damit Angst verbreiten und verhindern, dass Eltern ihre Kinder weiter in den Unterricht schicken. Hintergrund ist ein Konflikt zwischen der englischsprachigen und der französischsprechenden Bevölkerung Kameruns, der sich seit einigen Jahren extrem zuspitzt.

Er begann im Oktober 2016 mit friedlichen Protesten der anglophonen Minderheit im Nordwesten und Südwesten des Landes, die sich benachteiligt fühlte und nicht länger hinnehmen wollte, dass Justiz, Verwaltung und auch der Schulunterricht nur auf Französisch stattfinden. Doch die Situation eskalierte zunehmend. Die Separatisten verübten Anschläge auf Polizeistationen und Schulen, ganze Dörfer wurden in Brand gesetzt, Menschen aus ihren Häusern vertrieben.

Seitdem droht Kamerun in einem Bürgerkrieg zu versinken. Hunderte Menschen sind bereits durch die Kämpfe und Überfälle ums Leben gekommen. Die UN gehen von rund 30.000 englischsprachigen Flüchtlingen aus, die Schutz im benachbarten Nigeria gesucht haben. Zudem haben mindestens 430.000 Menschen innerhalb Kameruns ihre Häuser und Dörfer verlassen. Aus Angst vor Entführungen oder Überfällen werden Schulen geschlossen, die Versorgungslage verschlechtert sich und die Familien suchen Zuflucht bei entfernter lebenden Verwandten oder flüchten ins Ausland.

Plan International leistet gemeinsam mit lokalen Partnern und anderen Organisationen in den betroffenen Gebieten humanitäre Nothilfe. In den letzten Monaten wurden 1800 Hygiene-Sets verteilt und damit mehr als 10.000 Menschen erreicht. Über 800 Haushalte wurden im Gebrauch von Wasseraufbereitungstabletten geschult, um sauberes Trinkwasser nutzen zu können und dadurch vor allem Kinder vor Krankheiten zu schützen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Verbesserung der Bildungssituation. Plan hat 15 Kinderschutzbereiche eingerichtet, in denen fast 3.500 Kinder in einem sicheren Umfeld lernen und spielen können. Gleichzeitig werden sie dort auch psychosozial betreut, um die oft traumatischen Erlebnisse verarbeiten zu können.

Durch die erheblichen Einschränkungen und die prekäre Sicherheitslage ist Plan International aktuell nicht in der Lage, die reguläre Projektarbeit in Kamerun aufrechtzuhalten. Leider sind in den Gemeinden in der Region Bamenda auch Patenkinder von dieser Situation betroffen. Die Plan-Teams setzen momentan alles daran, die Kommunikation zwischen den Paten und den Patenkindern aufrechtzuhalten, die Verbindung zu deren Familien nicht abreißen zu lassen und die Situation vor Ort zu verbessern.

* Namen zum Schutz der Kinder geändert


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