Durch die Unterstützung von Plan sieht Locuo (15) eine Heirat nicht mehr als den einzigen Ausweg aus der Not. © Plan International
24.05.2017

Hoffnung schenken - frühe Heirat verhindern im Südsudan

Während der dramatischen Hungerkrise im Südsudan sehen viele Familien die Verheiratung der Töchter als einzigen Ausweg aus der Armut. Mit einem Programm zur Ernährungssicherheit hat Plan International die fünfzehnjährige Locuo davor schützen können.

Der seit drei Jahren andauernde Bürgerkrieg im Südsudan, die Vertreibung von 3,5 Millionen Menschen, die zusammenbrechende Wirtschaft und die gegenwärtige Dürre haben die Hungerkrise verheerend verschärft. Rund eine Millionen Kinder leiden unter akuter Mangelernährung und sind vom Hungertod bedroht. Mehr als 40 Prozent der südsudanesischen Bevölkerung sind auf zusätzliche Nahrungsmittel von Hilfsorganisationen angewiesen. Aufgrund der anhaltenden Kämpfe und unzureichender diplomatischer Bemühungen kommt die Hilfe für viele Menschen jedoch zu spät.

Bevor Plan International begann, ihre Gemeinde zu unterstützen, fehlte es auch der Familie der fünfzehnjährigen Locuo an Nahrung. „Im vergangenen Jahr sind uns die Lebensmittel ausgegangen, weil wir nicht genug anbauen konnten“, sagt sie. „Wir mussten bei unseren Onkeln betteln.“ Der Konflikt zwang ihre Familie, sich mehrmals ein neues Zuhause zu suchen, zur Schule gehen konnten die Kinder nicht. Bei dem Versuch, die Gemeinde vor Angreifern zu schützen, wurde Locuos Vater vor drei Jahren umgebracht. „Ich dachte, das Einzige, was ich tun könnte, um eine Familie zu haben, die mir helfen kann, mich um meine jüngeren Brüder und Schwestern zu kümmern und sie zu versorgen, wäre zu heiraten“, erzählt Locuo.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Hilfsmaßnahmen von Plan International in ihrem Dorf haben Locuo Hoffnung gegeben, dass sich ihr Leben bessern wird. Durch das Saatgut und die landwirtschaftlichen Werkzeuge, die ihre und 1700 weitere Familien von Plan erhielten, ist sie zuversichtlich, bald regelmäßig und gesund essen zu können. Eine Heirat scheint nun nicht mehr die einzige Möglichkeit, um ihre Situation zu verbessern: "Ich glaube nicht mehr, dass eine Ehe meine Probleme wirklich lösen könnte. Ich habe viele Frauen gesehen, die durch die Unterstützung von Plan International mit dem Verkauf der Ernte ihr Geld verdient haben, also werde ich meine Brüder in der Landwirtschaft unterstützen anstatt zu heiraten“, sagt das junge Mädchen.

Neben dem Saatgut und den Werkzeugen profitiert Locuos Gemeinde auch von landwirtschaftlichen Schulungen. Diese werden von Plan International in Zusammenarbeit mit dem lokalen Landwirtschaftsministerium angeboten, um die Widerstandsfähigkeit gefährdeter Gemeinden gegenüber aktuellen und zukünftigen Krisen, wie Konflikten, Dürren, Überschwemmungen und Krankheiten zu stärken.

Zu frühe Heirat verhindern

Durch den Konflikt und die Dürre fehlt es vielen Familien im Südsudan an Essen, immer häufiger werden Mädchen wie Locuo deshalb dazu gedrängt zu heiraten. Die Eltern sehen in der Mitgift und der Unterstützung durch einen Schwiegersohn häufig den einzigen Ausweg aus der Armut. Deshalb müssen ihnen andere Wege gezeigt werden, um Einkommen zu generieren und die Familie zu ernähren. Plan International möchte sicherstellen, dass die Ehe für diese Mädchen eine Entscheidung ist - und keine Notwendigkeit.

Plan International hat einen umfassenden Nothilfe-Plan entwickelt, um für die Menschen im Südsudan lebensrettende Soforthilfe zu leisten. Auch im Rahmen der Programmarbeit und unter dem Dach von Because I am a Girl setzt sich Plan seit Jahren dafür ein, Mädchen vor Kinder-, Früh- und Zwangsheirat zu schützen.


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