Mädchen in Krisenregionen sind besonders schutzlos und einem erhöhten Risiko ausgesetzt, zu sterben, sexualisierte Gewalt zu erleben, gegen ihren Willen verheiratet zu werden oder dauerhaft die Schule verlassen zu müssen. @ Plan International / Vincent Tremeau
Mädchen in Krisenregionen sind besonders schutzlos und einem erhöhten Risiko ausgesetzt, zu sterben, sexualisierte Gewalt zu erleben, gegen ihren Willen verheiratet zu werden oder dauerhaft die Schule verlassen zu müssen. @ Plan International / Vincent Tremeau
22.11.2018

Ein Leben geprägt von Diskriminierung und Gewalt

Am 25. November ist internationaler Tag für die Beseitigung von Gewalt an Frauen. Eine neue Plan-Studie zeigt, dass Mädchen in Krisenregionen besonders schutzlos sind und macht auf die katastrophalen Folgen von Flucht und Konflikten für Mädchen und junge Frauen aufmerksam.

Weltweit leben über 48 Millionen Kinder in Krisenregionen. Aufgrund ihres Alters und Geschlechts sind heranwachsende Mädchen und junge Frauen besonders gefährdet. Das zeigt die neue Plan-Studie „Heranwachsende Mädchen in Krisenregionen“ Dafür hat Plan International in Kooperation mit der australischen Monash Universität rund 1.000 Mädchen und jungen Frauen im Alter von 10 bis 19 Jahren in Südsudan, Bangladesch und der Tschadsee-Region nach ihren Erfahrungen gefragt.

Der Bericht zeigt, dass die Mädchen trotz unterschiedlicher Kulturen und Umstände sehr ähnliche Gefahren und Ängste durchleben: Von Isolation und Diskriminierung über sexuelle Gewalt bis hin zur Zwangsverheiratung, durch die sie meist dauerhaft die Schule verlassen müssen. Das Risiko, dass Mädchen diese Erfahrungen machen, erhöht sich bei Krieg, Bürgerkrieg oder Vertreibung um ein vielfaches, da familiäre und gesellschaftliche Strukturen, die Mädchen eigentlich schützen sollen, in Krisensituationen auseinander fallen.

Südsudan: Jedes vierte Mädchen denkt an Selbstmord
Vier Millionen Menschen sind in Südsudan auf der Flucht, mehr als die Hälfte davon sind Kinder. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind 2,4 Millionen Mädchen und Frauen dort von sexualisierter Gewalt bedroht. Ebenso sind sie massiv von Hunger, Traumatisierung und Gewalt betroffen - so sehr, dass jedes vierte befragte Mädchen angab, schon einmal darüber nachgedacht zu haben, ihr Leben zu beenden. Außerdem berichteten die Mädchen von Morddrohungen, Entführungen, Vergewaltigungen und sexueller Belästigung, wenn sie ihre Häuser verließen, um für ihre Familien Wasser, Feuerholz oder Lebensmittel zu holen.

Bangladesch: Eins von vier Mädchen erlebt häusliche Gewalt
Seit ihrer Flucht aus Myanmar 2017 leben rund eine Millionen Rohingya im größten Flüchtlingscamp der Welt in der Region Cox’s Bazar im Südosten Bangladeschs. Wenngleich alle Geflüchteten unter den schwierigen Bedingungen im Camp leiden, sind Mädchen ohne Zweifel am schlimmsten von dieser humanitären Krise betroffen. Sie verbringen die meiste Zeit des Tages in ihren Zelten und sind in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. Wenn sie raus gehen, haben sie Angst vor Übergriffen oder sexueller Belästigung. Doch auch in den Zelten sind sie häufig nicht sicher. Eines von vier Mädchen gab bei der Befragung an, kürzlich Gewalt erfahren zu haben - fast 90 Prozent der Fälle ereigneten sich im häuslichen Umfeld. Zudem leben die Mädchen in ständiger Gefahr, verheiratet zu werden.

Tschadsee-Region: Jedes fünfte Mädchen wird geschlagen
Die seit zehn Jahren andauernde Krise in der Tschadsee-Region hat das ohnehin von Armut und Diskriminierung geprägte Leben von heranwachsenden Mädchen noch drastisch verschlimmert. Plans Studie zeigt, dass Gewalt in jeden Lebensbereich der Mädchen eingedrungen ist: Angst vor Überfällen und Entführungen durch Aufständische, vor sexueller und physischer Gewalt in den Straßen, aber auch im häuslichen Umfeld, bestimmen ihren Alltag. Jedes fünfte Mädchen gab an, im vergangenen Monat geschlagen worden zu sein. Nahezu alle Mädchen berichteten, keinerlei Einfluss auf ihr Leben zu haben.

Plan fordert Maßnahmen zum Schutz und zur Stärkung von Mädchen
Auf Basis der dreiteiligen Studie fordert Plan die internationale Staatengemeinschaft auf, dringende Maßnahmen zum Schutz und zur Stärkung von Mädchen in Krisenregionen zu ergreifen und ihre Teilhabe an Entscheidungen in allen Aspekten der humanitären Hilfeleistungen zu ermöglichen. „Der Bericht zeigt, dass heranwachsende Mädchen in Krisenregionen schlimmste Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen erleiden müssen. Trotzdem kümmern sich häufig weder ihre eigenen Gemeinden noch Regierungen oder Hilfsorganisationen um ihre speziellen Bedürfnisse. Das ist inakzeptabel“, sagt Anne-Birgitte Albrectsen, CEO von Plan International. „Keine humanitäre Hilfe kann zielführend sein, wenn sie die Stimmen und Anliegen derjenigen ignoriert, die am meisten betroffen sind. Die internationale Staatengemeinschaft und Hilfsorganisationen müssen ihre Arbeitsansätze und Einsätze radikal verändern. Weltweit brauchen Mädchen in Krisenregionen Hilfe, die für sie greift, und sie brauchen sie jetzt.“

Plan International fordert darüber hinaus, dass heranwachsende Mädchen in Krisenregionen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung erhalten, inklusive psychologischer Unterstützung und sexueller Aufklärung.



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