In Zukunft können Mädchen ihr Recht auf Bildung wahrnehmen. © Plan
02.06.2017

Dominikanische Republik: Lücke im Gesetz zu Kinderheirat geschlossen

Mädchen dürfen künftig nicht mehr in der Dominikanischen Republik vor Vollendung des 18. Lebensjahres verheiratet werden. Die Entscheidung der Regierung ist ein wichtiger Schritt vorwärts im Kampf um die Rechte der Mädchen, sagt das Kinderhilfswerk Plan International.

Das Landesparlament stimmte der Änderung am Dienstag, den 30. Mai, zu. Das Kinderhilfswerk Plan International hatte zuvor eine Kampagne unterstützt, in der Mädchen sich gegen Frühverheiratung eingesetzt haben. Die Gesetzesänderung muss nun vom Senat des Landes genehmigt werden.

Obwohl das Mindestalter für die Ehe in der Dominikanischen Republik auf 18 Jahre gesetzt ist, war durch die Gesetzeslücke möglich, dass - mit elterlicher und gerichtlicher Erlaubnis - ein 13-jähriges Mädchen gezwungen werden könnte, einen älteren Mann zu heiraten. Die Erlaubnis hing nur von einem lokalen Richter ab. Die Zustimmung des Kindes, dessen Leben durch diese Entscheidung für immer verändert wurde, war nicht erforderlich.

Aracelis De Los Santos, Länderdirektorin für Plan International in der Dominikanischen Republik, sagt: „Es ist ein wichtiger Tag für Mädchenrechte in der Dominikanischen Republik. Die Entscheidung ist ein großer Schritt, um die Kinderheirat zu beenden und wird das Leben und die Zukunft von Hunderten von Tausenden Mädchen verändern.“

Kinderheirat ist ein ernstes Problem in der Dominikanischen Republik. Die Landesstatistiken des Landes zeigen, dass 37 Prozent der Frauen im Alter von 20 bis 49 Jahren vor dem 18. Geburtstag verheiratet werden. Aktuelle Untersuchungen von Plan International belegen sogar, dass diese Zahl in den ländlichen Gebieten wie den El Valle und den Enriquillo-Regionen auf über 50 Prozent steigt. Diese Studienergebnisse wurden von Plan International im März veröffentlicht und beeinflussten die neue Gesetzgebung.

„Kinderheirat ist eine Verletzung der Kinderrechte: Wenn ein Mädchen früh heiratet, wird sie die Schule verlassen, früh schwanger werden und eher ein Opfer von häuslichem und sexuellem Missbrauch werden“, sagte Frau De Los Santos. „Darüber hinaus wird sie wahrscheinlich ihr Leben lang in Armut gefangen sein. Es ist also eine Verletzung der grundlegenden Menschenrechte des Mädchens auf Gesundheit, Bildung, Wohlbefinden und Chancen. In den Köpfen der Gesellschaft ist diese Praxis aber tief verankert, so dass das neue Gesetz nur ein erster Schritt ist.“

Plan Internationals Erfahrung in der Arbeit mit lokalen Gemeinden zeigt, dass viele Eltern Mädchen als weniger wertvoll ansehen und frühe Ehen für sie als Verringerung der finanziellen Belastung für die Familie gilt. „Darüber hinaus gibt es Situationen, in denen Mädchen selbst die Ehe als Mittel der Flucht sehen. Wenn Mädchen häusliche Gewalt zu Hause erleben, glauben sie, dass das Leben besser wird, wenn sie heiraten - auch wenn sie sich in Wirklichkeit oft nur von einer gewalttätigen Situation in eine andere bewegen“, sagte Frau De Los Santos.

„Es gibt also noch viel zu tun für uns, um den Mädchen zu helfen, ihre Rechte hier in der Dominikanischen Republik zu verwirklichen. Die angekündigte Reform muss von einer umfassenden öffentlichen Politik und einem entsprechenden Budget begleitet werden. Wir wollen sicherstellen, dass die Kinderheirat in das Strafgesetzbuch aufgenommen wird und mit unserer Kampagne zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit fortfahren, um die Kinderschutznetzwerke zu stärken und den Menschen helfen, zu verstehen, dass Kinderheirat ein Verbrechen ist - vor allem den Mädchen selbst.“


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