Seit 2011 wurden fast 100.000 Menschen in Kachin aufgrund von Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben. So wie dieses Mädchen leben sie in Camps für Binnenvertriebene. © Plan
Seit 2011 wurden fast 100.000 Menschen in Kachin aufgrund von Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben. So wie dieses Mädchen leben sie in Camps für Binnenvertriebene. © Plan
04.01.2017

Die vergessenen Vertriebenen von Kachin

Am 4. Januar feiert Myanmar seinen Unabhängigkeitstag. Ein Datum, das dem südostasiatischen Land zwar 1948 die koloniale Unabhängigkeit brachte, zugleich jedoch zum längsten Bürgerkrieg der Welt führte. Der bewaffnete Konflikt zwischen Unabhängigkeitskämpfern in Kachin und der Armee der Zentralregierung Myanmars im nördlichsten Teilstaat Kachin gehört zu den vergessenen humanitären Krisen dieser Welt. Plan engagiert sich für die intern Vertriebenen, die teils mehrfach vor Gewalt fliehen mussten.

Nach mehr als 50 Jahren Militärregierung gab es 2015 erstmals freie Wahlen in Myanmar. Doch der Frieden ist damit nicht überall eingekehrt. Im nördlichen Teilstaat Kachin tobt seit 1961 ein immer wieder aufflammender Bürgerkrieg zwischen der Armee und der Kachin Independence Army (KIA), die Unabhängigkeit für die dort lebenden ethnischen Kachin einfordert.

Rund 100.000 Menschen mussten wiederholt vor den Kämpfen flüchten und leben zum Teil schon viele Jahre als intern Vertriebene in derzeit 142 Flüchtlingscamps dieser Region. Manche von ihnen mussten wiederholt vor den gewaltsamen Auseinandersetzungen fliehen. Hauptleidtragende sind vor allem Kinder. Sie leiden unter Mangelernährung, fehlenden Trinkwasser- und Sanitäranlagen und sind der Gefahr durch Landminen ausgesetzt. Außerdem können sie häufig keine reguläre Schule besuchen.

2013 wurde Plan durch die Regierung erlaubt, Nothilfe-Projekte für die Vertriebenen in Kachin durchzuführen. In Myitkynia, der Hauptstadt von Kachin- Staat, wurde ein Büro eröffnet. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes, der Europäischen Kommission sowie von UN-Agenturen setzte Plan in den letzten vier Jahren zehn Hilfsprojekte mit lokalen Partnern in Kachin um. Das Kinderhilfswerk leistet derzeit Nothilfe für rund 17.000 Binnenflüchtlinge in insgesamt 60 Camps.

Landminen sind eine ernste Bedrohung für die Vertriebenen. Ihre Möglichkeiten, in ihre Heimatgebiete zurückzukehren und dort Ackerbau zu betreiben, sind sehr eingeschränkt. Plan hilft den Familien, biologische Hausgärten anzulegen, so dass sie Kompost herstellen, Gemüse anbauen und sich und ihre Kinder gesünder ernähren können. Dazu werden Geräte und Saatgut bereitgestellt sowie Kochschulungen durchgeführt.

Für Kinder unter fünf Jahren werden regelmäßig Unterarm- und Wachstumsmessungen durchgeführt, mit denen der Ernährungszustand der Kinder überprüft werden kann. Bei schwerer akuter Mangelernährung werden sie zur Behandlung in Gesundheitseinrichtungen überwiesen.

Viele Kinder haben durch die Fluchtsituation Angst und Gewalt erlebt. Sie brauchen altersgerechte psychosoziale Unterstützung. Plan hat deshalb Kinderschutzzonen in den Camps eingerichtet, in denen sie geschützt spielen und lernen können, während die Eltern ihrer Arbeit nachgehen. In den Kinderschutzzonen werden auch Schulungen zu Themen wie ungewollter Schwangerschaft, HIV/Aids, persönlicher Hygiene und Kinderrechten durchgeführt. Ebenso werden die Eltern zum Thema Kindesschutz und Rechte von Kindern aufgeklärt. Dieses Vorhaben ist vom Auswärtigen Amt für die Bundesrepublik Deutschland finanziert. Plan beteiligt sich außerdem als Partner an der vom deutschen Auswärtigen Amt initiierten Kampagne „Vergesse humanitäre Krisen“


Interessant? Weitersagen: