Plan baut Brunnen für die Menschen in Äthiopien und sichert so den Zugang zu sauberem Trinkwasser. © Plan International / Michael Tewelde
Plan baut Brunnen für die Menschen in Äthiopien und sichert so den Zugang zu sauberem Trinkwasser. © Plan International / Michael Tewelde
02.08.2016

Die vergessene Katastrophe: Dürre in Äthiopien

In Äthiopien herrscht die schlimmste Dürre seit 30 Jahren. Die Folgen des Wetterphänomens El Niño und die Auswirkungen des Klimawandels haben vor allem den Norden des Landes getroffen. Über zehn Millionen Äthiopier sind nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) schon seit mindestens einem Jahr von Lebensmittelverteilungen abhängig, darunter 2,2 Millionen unterernährte Kinder unter fünf Jahren sowie schwangere oder stillende Frauen.

Mehr als 80 Prozent der rund 95 Millionen Äthiopier leben von der Landwirtschaft. Die meisten Familien bewirtschaften weniger als einen Hektar Land. Sie betreiben Subsistenzwirtschaft, das heißt, sie produzieren in der Regel nur das, was sie zum Leben brauchen und können keine Ersparnisse erwirtschaften, die es ihnen ermöglichen würden, längere Dürreperioden aus eigener Kraft zu überstehen.

Mancherorts hat es zwei Jahre nicht geregnet

In manchen Regionen hat es seit fast zwei Jahren nicht mehr geregnet. Bereits 2015 blieben sowohl der „Belg“, der kurze Frühlingsregen, als auch der länger anhaltende Sommerregen „Kiremt“ aus. Im Frühjahr 2016 fiel erneut kein Regen. So wurde nicht nur die wichtige Oktoberernte im vergangenen Jahr zunichte gemacht, auch ein zweites Mal in Folge könnte es für die Nordäthiopier im Herbst keine Ernte geben. Sie müssten in diesem Fall ein weiteres Jahr ohne Vorräte überleben. Schnelle Besserung gibt es auch im günstigsten Fall nicht. Selbst wenn der „Kiremt“ im Juli kommt, wird es weitere drei Monate dauern, bis Getreide und Gemüse im Oktober erntereif sind. Viele Menschen haben aber inzwischen ihre letzten körperlichen Reserven aufgebraucht.

Hauptsächlich von der Dürre betroffen sind die sechs Regionen: Afar, Amhara, Oromo, SNNP  , Somalia und Tigray. Während es im Süden Äthiopiens nach der Trockenzeit zu teils starkem Regen und Überflutungen kam, ist die Amhara-Region staubtrocken. Aufgrund der dramatischen Situation hat das Kinderhilfswerk bereits im November 2015 ein Nothilfeprogramm für die Menschen gestartet. Im Bezirk Sehala ist nur Plan als Hilfsorganisation tätig.

Nahrungsmittel, Wasser und Saatgut

Plan versorgt Menschen mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser sowie Saatgut für die nächste Ernte. Schwer unterernährte Kinder werden in so genannten „Stabilisation Centres“ behandelt. Das sind kleine Gesundheitsstationen, in denen Babys   ab sechs Monaten und Kleinkinder spezielle Zusatznahrung (Famix, eine mit Mikronährstoffen angereicherte Mahlzeit auf der Basis von Mais, Soja und Kichererbsen) bekommen und unter medizinischer Beobachtung sind. Moderat  unterernährte Kinder sowie schwangere und stillende Frauen werden mit Speiseöl und Getreide versorgt. Zudem werden landwirtschaftliche Geräte, Saatgut für den Anbau von Gemüse und Kartoffeln, sowie Tierfutter bereitgestellt. Insgesamt wurden in den Distrikten Telemt, Sahala, Lasta, West Beleysa und Ebinate schon knapp 36.000Haushalte mit verschiedenem Saatgut für die kommende Saison versorgt.

Mehr als 74.000 Kinder und schwangere wie stillende Frauen erhielten über Plans Nothilfe Nahrungsmittel, über 7.000 Menschen werden seit Februar täglich mit Trinkwasser versorgt. Dazu füllen LKWs Wassertanks an zentralen Punkten wie Schulen oder Gemeindezentren auf. Jede Familie kann sich 40 Liter Wasser pro Tag in bereit gestellten 20-Liter-Kanistern mitnehmen. Auch wurden Chemikalien zur Aufbereitung von Trinkwasser verteilt.

Der Wassermangel in den Dürregebieten macht auch die Hygiene schwierig. Deswegen kommt es vermehrt zu Durchfallerkrankungen, aber auch zu Augeninfektionen und der Hautkrankheit Krätze. Rund 14.000 Menschen bekamen deshalb Seife und andere Hygieneartikel.

Humanitäre Hilfe in Äthiopien ist unterfinanziert

Um die Krise bewältigen zu können, bräuchte Äthiopien rund 1,5 Milliarden US-Dollar. Bisher wurden aber erst 702 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt. Mehr als 500 Millionen kamen von der äthiopischen Regierung selbst. Je länger Hilfsgelder nur unzureichend zur Verfügung stehen und dadurch notwendige Hilfsprojekte nicht umgesetzt werden können, umso stärker wird die Not der Menschen steigen - und damit mittelfristig wiederum die Notwendigkeit, weitere Hilfsmaßnahmen finanzieren zu müssen. Deshalb ist es so wichtig, jetzt zügig zu reagieren.

Das Klimaphänomen El Niño hat nicht nur Äthiopien Dürre und Hunger gebracht. Auch in Simbabwe und Mosambik sind viele Menschen auf die Verteilung von Nahrungsmitteln angewiesen. Den Vereinten Nationen zufolge sind am Horn von Afrika und im Süden des Kontinents wegen der klimatischen Schwankungen insgesamt mehr als 50 Millionen Menschen von Hunger bedroht.

Hilfe für Menschen in Notsituationen

Helfen Sie Kindern in Äthiopien mit einer Patenschaft oder per Überweisung an:

Plan International
Erste Bank
IBAN: AT04 2011 1829 8724 4001
BIC: GIBAATWWXXX
Stichwort: Dürre in Afrika


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