Broschüre

Rechte von FGM/C gefährdeten Mädchen und Frauen schützen

Weibliche Genitalverstümmelung ist eine Menschenrechtsverletzung und ein Angriff in die körperliche Unversehrtheit. Unser Kinderschutzprogramm setzt sich dafür ein, in Deutschland lebende Mädchen vor dieser Praxis zu schützen und Betroffenen Mädchen und Frauen zu unterstützen.

Gesetzeslage in Deutschland

Es gibt keine offiziellen Zahlen, wie viele von Genitalverstümmelung betroffene Mädchen und Frauen in Deutschland leben. Schätzungen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zufolge leben 67,000 Betroffene und bis zu 14,752 gefährdete Mädchen in Deutschland. Die von uns beauftragte Studie „Listening to African Voices“ zeigte, dass mindestens 30 Prozent der Migrantinnen aus praktizierenden Ländern in Hamburg von FGM/C betroffen sind. Für Mädchen von Familien, die aus diesen Ländern stammen, besteht die Gefahr, während eines Aufenthalts im Heimatland der Eltern dem Ritual ausgesetzt zu werden.

Wegen der Schwere der Rechtsverletzung wurde im September 2013 mit § 226a StGB ein Spezialstraftatbestand geschaffen, der die Verstümmelung weiblicher Genitalien als Verbrechen einstuft und mit Freiheitsstrafen zwischen ein und 15 Jahren ahndet. Betroffene Frauen können die Tat bis zu ihrem 41. Lebensjahr zur Anklage bringen, da die Verjährung nach § 78 StGB bei weiblicher Genitalverstümmelung erst ab dem 21. Lebensjahr der Betroffenen beginnt und 20 Jahre beträgt. Seit Anfang 2015 ist die Genitalverstümmelung auch strafbar, wenn das betroffene Mädchen im Ausland beschnitten wird, ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt aber in Deutschland hat (§5, Nr. 9a StGB). Nach dem Zuwanderungsgesetz von 2005 ist der Flüchtlingsschutz für Opfer geschlechtsspezifischer Verfolgung angepasst worden. Des Weiteren seit 1. Februar 2018 das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, die so genannte Istanbul-Konvention in Deutschland in Kraft. Es enthält konkrete Empfehlungen für Staaten, wie geschlechtsspezifische Gewalt, einschließlich FGM, angegangen werden kann. Die Bedrohung einer Genitalverstümmelung ist daher im Asylverfahrensgesetz als Fluchtgrund in Deutschland anerkannt.

Durch die Aufnahme der vier FGM/C-Typen in den medizinischen Diagnoseschlüssel im Jahr 2014 können die Folgekosten von FGM/C mittlerweile bei den Krankenkassen abgerechnet werden. Für viele betroffene Frauen, die in Deutschland leben, bedeutet es aber eine große Überwindung, sich medizinische Hilfe zu suchen. Oft sind ihnen die Zusammenhänge zwischen den aktuellen Gesundheitsproblemen und der viele Jahre vorher erlittenen Genitalverstümmelung nicht bewusst. Sprachschwierigkeiten und Unkenntnis ihrer Rechte erschweren die Lage. Viele ÄrztInnen haben zudem wenig bis gar keine medizinischen Kenntnisse über dieses Thema. Dies erschwert eine abgestimmte Behandlung.

Durch die Aufnahme der vier FGM/C-Typen in den medizinischen Diagnoseschlüssel im Jahr 2014 können die Folgekosten von FGM/C mittlerweile bei den Krankenkassen abgerechnet werden. Für viele betroffene Frauen, die in Deutschland leben, bedeutet es aber eine große Überwindung, sich medizinische Hilfe zu suchen. Oft sind ihnen die Zusammenhänge zwischen den aktuellen Gesundheitsproblemen und der viele Jahre vorher erlittenen Genitalverstümmelung nicht bewusst. Sprachschwierigkeiten und Unkenntnis ihrer Rechte erschweren die Lage. Viele Ärzt:innen haben zudem wenig bis gar keine medizinischen Kenntnisse über dieses Thema. Dies erschwert eine abgestimmte Behandlung.

Unser Engagement in Deutschland

Mädchen, die von der weiblichen Genitalverstümmelung gefährdet sind, sind besonders schutzbedürftig. Des Weiteren bedürfen betroffene Mädchen und Frauen besondere medizinische Versorgung, soziale und rechtliche Unterstützung. Unsere Schulungen und Fortbildungen richten sich an Fachleute, die mit Kindern oder betroffenen arbeiten, sodass sie über diese besonderen Bedürfnisse sensibilisiert sind. Das sind Schulen, Kindergarten, medizinisches Personal, soziale Einrichtungen, Behörden usw.

Anfragen zu Schulungen und Fortbildungen können Sie über diese Adresse machen: info(at)plan.de

Wir von Plan International Deutschland engagieren uns zudem beim "Hamburger Runden Tisch gegen weibliche Genitalverstümmelung" und im bundesweiten Netzwerk gegen Genitalverstümmelung INTEGRA, dem über 30 Nichtregierungsorganisationen angehören.

Projekte

Let’s Change Projekt

Mit diesem Projekt wollten wir das Recht von Mädchen und Frauen auf körperliche Unversehrtheit schützen. Das Projekt verfolgte einen zweifachen Ansatz: Mädchen einerseits vor einer möglichen Beschneidung zu schützen und andererseits betroffene Frauen und Mädchen zu unterstützen. Das Projekt wurde in den Städten Hamburg, Berlin, Paris und Amsterdam umgesetzt. Die Projektaktivitäten führten wir auf EU-Ebene gemeinsam mit unseren Partnern TERRE DES FEMMES, der niederländischen Organisation FSAN und der französischen NGO Equipop durch.

Wir haben in diesem Projekt auf die konkreten Erfahrungen und Erkenntnisse aus bereits umgesetzten Plan- Projekten zurückgegriffen. Diese sind in Deutschland die Projekte „CHANGE“ und „CHANGE plus - Mädchen aktiv schützen“ sowie das Projekt „Aktiv gegen weibliche Genitalverstümmelung“ in Hamburger Flüchtlingseinrichtungen.

Das Projekt in der Übersicht

Projektregion:
Hamburg

Projektlaufzeit:
Oktober 2018 – September 2020

Ziele:

  • Prävention von geschlechtsspezifischer Gewalt, insbesondere von FGM/C
  • Schutz der Rechte betroffener Frauen und Mädchen

Maßnahmen:

  • Ausbildung von 32 CHANGE-Agents, damit sie zu Bewusstseins- und Verhaltensänderungen in FGM/C praktizierenden Communities beitragen
  • Durchführung von 152 Aktivitäten zur Aufklärung über FGM/C
  • 72 Schulungen für Fachkräfte aus dem Gesundheits-, Justiz- und Sozialbereich 

Information für Betroffene und bei Gefährdung

Hilfetelefon

Haben Sie das Verdacht, dass ein Mädchen von der weiblichen Genitalverstümmelung bedroht ist? Bitte informieren unverzüglich die Polizei und das örtliche Jugendamt!

Außerdem können Sie sich bei dem Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen beraten lassen.

Suchen Sie nach einer Beratungsstelle? Liste für Ansprechpartner:innen bundesweit.

Unsere Materialien

Zu unserer Arbeit gegen FGM/C, wurden folgende Publikationen veröffentlicht:

Weibliche GenitalverstümmelungPDF | 1,92 MB Download starten
Mutilations génitales fémininesPDF | 2,02 MB Download starten
Flyer: "Let's CHANGE" (englisch)PDF | 2,41 MB Download starten
Schutzbrief gegen weibliche GenitalverstümmelungPDF | 515,01 KB Download starten
Déclaration contre les mutilations génitales...PDF | 522,79 KB Download starten
Female Genital MutilationPDF | 1,97 MB Download starten
Flyer: "Let's change"PDF | 2,41 MB Download starten
Flyer "Let's Change" (französisch) Download starten
Statement Opposing Female Genital MutilationPDF | 471,45 KB Download starten
Schutzbrief der Bundesregierung gegen FGMPDF | 695,09 KB Download starten
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