Kinderfreundliche Unterkunft für ein gesundes Aufwachsen

Kinderfreundliche Unterkunft für ein gesundes Aufwachsen

Das Projekt „kinderfreundliche Unterkunft“ dient der Verbesserung der Unterbringungs-situation geflüchteter Familien. Zielgruppe sind Kinder von 0 – 8 Jahren um den Entwick-lungs¬gefährdungen speziell für Säuglinge und Kleinkinder entgegen zu wirken. Zu den Themen Kindeswohl/Kinderschutz, Gesundheit, Bildungsförderung und soziale Inklusion werden Schulungen für Eltern und für das Unterkunfts- und Sozialmanagement durch-geführt. Zur Entwicklungsförderung und Verbesserung des Kinderschutzes wurde ein kinderfreundlicher Raum eingerichtet. Er steht den Familien eigenverantwortlich zur freien Nutzung zur Verfügung, außerdem finden hier angeleitete Angebote für Kinder statt.

Das Projekt in der Übersicht

Projektregion:
Hamburg

Projektlaufzeit:
April 2019 – Juli 2020

Ziele:

  • Etablierung einer kinderfreund­lichen Umgebung in der Unterkunft
  • Elterntrainings zu Gesundheits- und Bildungsthemen
  • Begleitung und Beratung des Un­ter­­kunfts- und Sozialmanagements
  • Kooperationsförderung mit Akteur*innen für Kinderschutz

 

Maßnahmen:

  • Partizipation von Kindern und Eltern
  • Einrichtung eines kinderfreund­lichen Raums
  • Nutzungskonzept für den kinderfreundlichen Raum
  • Entwicklungsfördernde externe Angebote für Kinder
  • Partizipation von Eltern und daraus folgenden Schulungen
  • Partizipation des Unterkunfts- und Sozialmanagements und daraus folgenden Schulungen

 

 

Hintergrund des Projektes

In einem Warnbrief zum Thema „Kinderschutz im Rahmen der aktuellen Unterbringungs­situation“ prangerte der Arbeitskreis „Frühe Hilfen für Geflüchtete Altona“ (Hamburg) die Situation für Kinder von 0 – 8 Jahren in Gemein­schaftsunterkünften als entwicklungs­gefährdend an. Es wurde Handlungsbedarf zu folgenden Punkten formuliert: in den Wohn­unter­künften wertigen Platz für Familien schaffen, Entwicklungsräume und außerhäusliche Betreuungsangebote bereitstellen, auf­suchende Beratung an die Bedarfe der Familien anpassen.

Diesem Appell folgend konzipierten PLAN International in Kooperation mit der Kinder- und Jugendpsychiaterin und Psychotherapeutin Dr. Meike Nitschke-Janssen das Projekt „kinderfreundliche Unterkunft für ein gesundes Aufwachsen für Kinder von 0 – 8 Jahren in der Wohnunterkunft“. Das Projekt startete als Pilotprojekt und befindet sich bis Juli 2020 in der Verstetigungsphase. Sie dient hauptsächlich dazu, das Projekt in die Verantwortung des Unter­kunft- und Sozialmanagements sowie der Eltern zu übergeben.

Unsere Projektziele

Das Projekt zielt auf die psychische Rehabilitation von von Not und Krieg betroffenen Kindern, die Ermöglichung und Förderung ihrer Entwicklung sowie die Förderung der Eltern-Kind-Bindung auch nach belastendem Erleben auf der Flucht und in Not- und Kriegs­situationen. Es trägt zur Sicherstellung von Kinderschutz in einer Folgeunterkunft für geflüchtete Menschen und zur Unterstützung der Bewohner*innen in ihren Integrations­prozessen bei. Das Projekt stärkt schutzsuchende Kinder und ihre Familien, fördert ihre Resilienz und befähigt sie zur nachhaltigen gesellschaftlichen Verankerung und Teilhabe.

Dazu tragen folgende Teilziele bei: Verstetigung des kinderfreundlichen Raums, Stärkung der Partizipation der Eltern, Förderung der Kooperation mit externen Hilfs- und Förderange­boten sowie den Unterkunftsmitarbeiter*innen. Dabei ist die Umsetzung existierender Kinderschutzkonzepte essenziell.

Übergeordnetes Ziel ist es, als Good-Practice-Modell zur allgemeinen Implementierung kinderfreundlicher Strukturen in Wohnunterkünften für Geflüchtete von Behördenseite beizutragen.

Was wir für den Projekterfolg tun

Durchführung einer partizipativen Risiko- und Schutzanalyse: Die Kinder der Wohnunter­kunft wurden angeleitet, sprachlich, spielerisch und künstlerisch zum Ausdruck zu bringen, wo sie sich in der Wohnunterkunft wohl und unwohl, sicher und unsicher fühlen. Diese Informa­tionen wurden ausgewertet und dienten als Grundlage weiterer Planungen inner­halb des Projekts.

Sowohl für Eltern als auch für Mitarbeitende des Unterkunfts- und Sozialmanagements werden folgende Fortbildungen durchgeführt:

  • Entwicklung von Tagesstrukturen für Familien mit Kindern
  • Sicherheit für Kinder – Erste Hilfe
  • “Wie spreche ich mit meinem Kind darüber?“ –  Begleitung nach traumatischen Ereignissen
  • Entwicklung von Kindern – Schritte und Phasen
  • Aktiv werden für mein Kind: Was kann ich in der Unterkunft tun?
  • Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern
  • Fortbildung Kinderrechte
  • Anbindung an die Regelsysteme
  • Integrationsförderung
  • Belegungssteuerung
  • Kinderschutz / Gefährdungsabwehr
  • Demokratie
  • Kollegiale Beratung / Supervision

 In den Fortbildungen werden insbesondere Instrumente der Aktivierung und des Aufbaus von Beteiligungsstrukturen sowie präventiver Kinderschutz-Maßnahmen vermittelt. Sie fußen auf Methoden des selbstentdeckenden Lernens, so dass die Teilnehmer*innen ein Gefühl der Selbstwirksamkeit entwickeln und somit Verantwortung übernehmen können. 

Durch die Einrichtung eines Spielzimmers/kinderfreundlichen Raums können Eltern mit ihren Kindern gezielt in einem Spielumfeld kinderzentrierte Zeit außerhalb ihrer beengten privaten Wohnräume verbringen. Dies wird durch ein Konzept der eigenverantwortlichen Nutzung des kinderfreundlichen Raums über ein Schlüssel-Ausleihsystem ermöglicht. Darüber hinaus werden in dem Raum Angebote von externen Kinderschutz-Akteur*innen gemacht, die die Kinder fördern und z.T. die Eltern einbeziehen, was für letztere einen Fortbildungsnutzen zum Thema „Erziehung“ und „Förderung des Kindes“ hat. Es handelt sich dabei um kreative Angebote, Spiel und Sport, Angebote frühkindlicher Bildung (Bilderbücher und Einführung in Spiele mit Lernwirkung, Family Literacy) und Vorbereitung auf Kindertagesstätte und Schule.

Das Projekt „Kinderfreundliche Unterkunft…“ ist eingebettet in das Netzwerk „Frühe Hilfen für Geflüchtete Altona“ (Hamburg), deren Akteur*innen maßgeblich zur Initiierung dieses Projekts beigetragen haben. 

Das Projekt ist Bestandteil der integrativen Sozialraumplanung Altona. Es unterstützt die Infrastruktur (Einrichtung eines kinderfreundlichen Raums, Stärkung des Unterkunfts- und Sozialmanagements), stärkt das Zusammenleben durch Fortbildung der Eltern sowie deren Vernetzung mit Akteur*innen zum Kinderschutz im Stadtteil und fördert die Stadtteilent­wicklung durch Vorbereitung der Bewohner*innen und deren Kinder auf den Besuch außerhäuslicher Einrichtungen.

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bezirksamtes Altona gefördert.

Materialien

Hintergrundinformationen zu unseren Kinderschutzkonzepten und Fortbildungsinhalten sowie Ideen zur praktischen Umsetzung von Kinderschutzaktivitäten in Unterkünften, können Sie in folgenden Publikationen nachlesen:

Broschüre: "Spielen Lernen Stärken"PDF | 11,00 MB Download starten
Toolkit "Kinderschutz in Flüchtlingsunterkünften"PDF | 4,79 MB Download starten
Handbuch "Kinderschutz in Flüchtlingsunterkünften"PDF | 12,66 MB Download starten
Interessant? Weitersagen: