Update der Außen- und Entwicklungspolitik

Besser gleich! Was kann die Politik dafür tun, damit die Welt eine gerechtere wird? Mehr Gleichstellung! 

#GirlsGetequal

Unsere Forderungen

Forderung 1
1: Geschlechtergerechtigkeit

Geschlechtergerechtigkeit muss ins Zentrum der Außen- und Entwicklungspolitik

Wir fordern
Geschlechtergerechtigkeit

Das heißt: Gleichstellung darf nicht nur in einzelnen Bereichen, wie zum Beispiel "Schutz vor Gewalt", berücksichtigt werden. Das gesamte internationale Handeln muss an das Konzept einer feministischen Außen- und Entwicklungspolitik wie in Schweden oder Kanada angelehnt werden. Dazu bedarf es klare Zielsetzungen auf strategischer Ebene und eine regelmäßige Überprüfung der Fortschritte.

Forderung 2
2: Gendertransformation

Ein gendertransformatives Verständnis für die Außen- und Entwicklungspolitik

Wir fordern
Gendertransformation

Das heißt: Außen- und Entwicklungspolitik müssen Gendernormen und Machtverhältnisse hinterfragen und auf deren Veränderung hinwirken. Den Begriff „Gendertransformation“ erklären wir unter Fragen und Antworten.

 

 

Forderung 3
3: Intersektionalität

Ein intersektionaler Ansatz für die Außen- und Entwicklungspolitik

Wir fordern
Intersektionalität

Das heißt, die Außen- und Entwicklungspolitik berücksichtigt die besondere Lebensrealität, Bedarfe und Interessen aller Menschen in all ihrer Diversität. Den Begriff „Intersektionalität“ erklären wir unter Fragen und Antworten.

 

 

Forderung 4
4: Zielgruppe

Mädchen und junge Frauen müssen im Fokus der Außen- und Entwicklungspolitik stehen

Wir fordern
Zielgruppe

Die Bundesregierung muss Mädchen und junge Frauen als Zukunftsakteurinnen mit ihren spezifischen Bedürfnissen, Stärken und Potentialen ins Zentrum der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe stellen.

 

 

 

Forderung 5
5: Finanzierung

Finanzierung für Gleichstellung steigern

Wir fordern
Finanzierung

Um Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen ist eine ausreichende Finanzierung entsprechender Projekte und Programme notwendig. 85 Prozent der deutschen Entwicklungsgelder müssen für Maßnahmen eingesetzt werden, die Gleichstellung als Nebenziel haben. Langfristig sollen 20 Prozent Maßnahmen gewidmet sein, deren Hauptziel die Stärkung der Rechte von Mädchen und Frauen ist.

Forderug 6
6: Strategische Verankerung

Die Bundesregierung sollte sich international für Geschlechtergerechtigkeit stark machen

Wir fordern
Strategische Verankerung

International sollte sich Deutschland für eine strategischere Verankerung von Gleichstellung in der Außen- und Entwicklungspolitik einsetzen, zum Beispiel im Rahmen des Generation Equality Prozesses sowie der deutschen G7 Präsidentschaft 2022.

 

Key Facts: Was bewirkt feministische Außenpolitik?

Diskriminierung beenden, Normen ändern, gesellschaftlichen Wandel erreichen

Fragen und Antworten

Um das Ziel einer geschlechtergerechten Welt erreichen zu können, bedarf es eines gendertransformativen Ansatzes in der Außen- und Entwicklungspolitik. Das heißt, Geschlechtergerechtigkeit muss ein zentrales Ziel sein. Um dies systematisch zu verankern, ist ein feministischer Politikansatz notwendig. In diesem Sinne setzt feministische Außen- und Entwicklungspolitik an der ungerechten Verteilung wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Macht weltweit an. Die Vision feministischer Außen- und Entwicklungspolitik ist, dass alle Menschen unabhängig von Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, Behinderung und ethnischer oder sozialer Herkunft gleichberechtigt und friedlich leben können und die gleichen Chancen auf ein sicheres und selbstbestimmtes Leben haben.  

Feministische Außen- und Entwicklungspolitik unterstützt die Überwindung von stereotypen Geschlechterrollen, bekämpft die Akzeptanz geschlechtsbezogener und sexualisierter Gewalt und zielt auf die Veränderung gesellschaftlicher Strukturen, die Mädchen und Frauen benachteiligen. Sie basiert auf einem intersektionalen Verständnis und berücksichtigt damit, dass Menschen von Benachteiligungen und Gewaltverhältnissen je nach ihrer sozialen Positionierung unterschiedlich und mehrfach betroffen sein können, und dass historisch gewachsene patriarchale, rassistische und anderweitig diskriminierende Strukturen, die sich gegenseitig bedingen, überwunden werden müssen. 

Frauenrechte und Gleichstellungsansätze haben eine lange Geschichte in der Entwicklungszusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland. Sie sind ein Grundprinzip sowohl staatlicher als auch nichtstaatlicher Entwicklungszusammenarbeit. In der deutschen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit wurde ein gendertransformativer  Gleichstellungsansatz etabliert, der jedoch nicht konsequent in allen Gleichstellungsdokumenten, wie zum Beispiel dem Gender Aktionsplan (GAP) II und den dazugehörigen Roadmaps, verfolgt wird. Insbesondere im Rahmen des aktuellen Reformprozesses „BMZ 2030“ besteht Handlungsbedarf, den Ansatz weiterzuentwickeln. 

In der humanitären Hilfe als einem der spezifischen Handlungsfelder der Außenpolitik gibt es international schon seit Längerem Gender (Mainstreaming) Ansätze und Forderungen nach einer Gleichstellungsperspektive. In der deutschen humanitären Hilfe des Auswärtigen Amts ist ein Genderansatz jedoch nur punktuell zu erkennen. Allerdings zeigen aktuell veröffentlichte Gleichstellungsdokumente, dass das Auswärtige Amt gegenwärtig eine erhöhte Aufmerksamkeit auf eine Geschlechterperspektive (nicht nur) in der humanitären Hilfe richtet. Hierbei steht jedoch vor allem die Berücksichtigung von geschlechtsbezogenen Bedarfen im Vordergrund, ohne in einem gendertransformativen Sinne explizit gesellschaftliche Gendernormen und Geschlechterverhältnisse zu reflektieren.    

Mädchen und junge Frauen werden weder in der Entwicklungszusammenarbeit noch in der humanitären Hilfe bislang ausreichend als spezifische Zielgruppe und Akteur:innen mit eigenen Bedarfen und Interessen adressiert. Strukturelle Ungleichheiten, Diskriminierungen und Gewalt, die Mädchen und junge Frauen besonders stark und in spezifischer Weise betreffen, werden bisher kaum adäquat benannt.  

Aufgrund ihres Geschlechts und ihres Alters sind Mädchen und Frauen anders von gesellschaftlichen, politischen und/oder wirtschaftlichen Entscheidungen betroffen und werden viel zu selten nach ihren Bedürfnissen gefragt.  

In Krisen zum Beispiel geht es zunächst darum, dass die Grundbedürfnisse, wie Zugang zu Trinkwasser, abgedeckt werden. Genau in solchen Situationen müssen die Belange von Mädchen und Frauen aber von Anfang an mitgedacht werden.  

Nehmen wir mal das Beispiel Menstruationshygiene. Die sanitären Anlagen in Flüchtlingsunterkünften sind oft so ausgerichtet, dass Mädchen und Frauen ihre Periode nicht in Würde bewältigen können.  

Bei einem Gleichstellungsansatz würden Mädchen und Frauen befragt, wie die sanitären Anlagen aussehen müssen. Sie würden z.B. einfordern, dass die Toiletten abschließbar und nach Geschlechtern getrennt sein müssen. Dass Waschbecken innerhalb der Toiletten sind, damit keine Frau vor den Augen aller blutige Unterwäsche auswaschen muss. Oder dass nachts gute Beleuchtung da ist, damit die Wege zu den Toiletten auch zu dieser Zeit sicher sind.  

Auch bei der Städteplanung wird oft die weibliche Perspektive vergessen. Dadurch ist die Großstadterfahrung von Mädchen und Frauen weltweit geprägt von Drohungen, sexueller Belästigung und der Angst vor Übergriffen. 

Dies ist auch das Ergebnis der von Plan International durchgeführten Befragung „Safe in the City?“ aus dem Jahr 2020: In Deutschland fühlt sich keine Frau in ihrer Stadt vollkommen sicher, jede vierte Frau hat bereits sexuelle Belästigung erlebt.  

Wenn Frauen sich nicht sicher in ihrer Stadt bewegen können, schränkt sie dies in ihrer Freiheit ein und ist ein Ausdruck für fehlende Gleichberechtigung. 

Einfache städtebauliche Maßnahmen, wie eine bessere Beleuchtung oder die offene Gestaltung von Parkanlagen, können bereits dabei helfen, das Sicherheitsgefühl von Mädchen und Frauen zu verbessern.  

Es sind also oft Aspekte, die durchaus umsetzbar und zu finanzieren wären – wenn denn Mädchen und Frauen genug in die Planung einbezogen würden. 

Statt also Lösungen für sie zu finden, müssen Lösungen mit ihnen gefunden werden. 

Gender Mainstreaming ist eine Strategie, um die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern. Das bedeutet, dass in allen Planungs- und Entscheidungsprozessen, zum Beispiel in der Politik, von Beginn an Gleichstellungsaspekte berücksichtigt werden.  

Gender Mainstreaming basiert auf der Erkenntnis, dass Menschen aufgrund sozialer und kultureller Geschlechterrollen (gender) unterschiedlich von gesellschaftlichen und politischen Prozessen und deren Folgen betroffen sind. Gender Mainstreaming erkennt an, dass es keine geschlechtsneutrale, objektive Wirklichkeit gibt und richtet sich gleichermaßen an alle Geschlechter, um negative Auswirkungen schädlicher bestehender Geschlechterverhältnisse zu überwinden. 

Intersektionalität erkennt an, dass Menschen von Diskriminierung unterschiedlich und mehrfach betroffen sein können. Zum Beispiel aufgrund ihres Alters, Behinderungen, sexueller Orientierung oder Hautfarbe. 

Feministischer Außenpolitik liegt die Analyse zugrunde, dass wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Macht weltweit ungleich verteilt ist. Daher fragt sie zuerst nach Machtstrukturen und strebt strukturelle und hierarchische Veränderungen an, um Gleichheit und Freiheit aller Menschen sowie die Einhaltung der universellen Menschenrechte zu erreichen. Sie ist dabei immer intersektional, erkennt also an, dass Menschen von Diskriminierung unterschiedlich und mehrfach betroffen sein können. Dafür geht feministische Außenpolitik über traditionelles außenpolitisches Denken hinaus, da sie Menschen statt Staaten in den Mittelpunkt rückt. Sie setzt da an, wo Wandel möglich ist: Gemeinsam mit Mädchen, Frauen und weiteren marginalisierten Gruppen ihre Rechte weltweit zu realisieren, einen gleichwertigen Zugang zu sozialen, ökonomischen und politischen Ressourcen  umzusetzen und gleichberechtigte Teilhabe und Mitbestimmung auf allen Ebenen zu steigern. Sie nimmt in den Blick, dass Gewalt gegenüber marginalisierten Gruppen kein Einzelfall ist, sondern ebenfalls auf gesellschaftliche Machtstrukturen zurückgeht. 

Bislang sind die militärische, aber auch die zivile Friedensförderung klassische Männerbereiche. Frauen oder auch Jugendliche sind in solchen Prozessen viel zu selten eingebunden. Dabei sind sie oft übermäßig stark von den Folgen betroffen (etwa, wenn Vergewaltigung als Kriegswaffe eingesetzt wird). Der Weg eines Landes aus einem Konflikt in eine friedliche Gemeinschaft wird nur funktionieren, wenn Inklusion das Leitprinzip für die Zukunft ist – wenn also alle Menschen und ihre spezifischen Bedürfnisse berücksichtigt werden.  

Basieren Abkommen und Strukturen auf den Regeln und Bedürfnissen einiger weniger - und schließen Teile der Bevölkerung aus - kann eine Gesellschaft nicht ihr volles Potenzial entfalten. Zudem steigt die Wahrscheinlichkeit von    Konflikten: wenn nämlich diejenigen, die sich in der bestehenden Ordnung nich berücksichtigt finden, gegen den bestehenden Zustand protestieren und ihre Rechte einfordern.   

Wenn Frauen am Friedensprozess beteiligt sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Einigung mindestens 15 Jahre hält, um 35 Prozent, sagt UN Women. Diese Zahl verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass Mädchen und Frauen in Friedensprozessen Gehör finden.  

Weltweit sind 94 Prozent aller Männer in den Arbeitsmarkt integriert, aber nur 63 Prozent aller Frauen im Alter von 25 bis 54 Jahren. Diese Lücke bei der Beschäftigung - und bei der Bezahlung! - zu schließen, ist so wichtig für die weltweite nachhaltige (wirtschaftliche) Entwicklung, dass die internationale Staatengemeinschaft dies als Ziel Nummer 8 in den Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs), der Agenda 2030, festgeschrieben hat – eine Verpflichtung für alle Staaten. 

Frauen stellen die Hälfte der Weltbevölkerung. Wenn sie aber nicht die Hälfte der Arbeitskräfte stellen, entwickeln sich Länder nicht wie sie könnten, weil sie ihr wirtschaftliches Potenzial gar nicht ausschöpfen. Würden etwa die OECD-Länder ihre Frauenerwerbsquoten an diejenige von Schweden anpassen, könnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um mehr als 6 Billionen US-Dollar wachsen. Mehr Arbeitskräfte stärken die Produktivität und die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Ein Land, das mehr produziert, kann mehr Waren exportieren und muss weniger Waren importieren - so ist es unabhängiger von Handelsbeziehungen mit anderen Ländern.  

Eine Verbesserung der Gleichstellung könnte in der EU bis zum Jahr 2050 rund 10,5 Millionen neue Jobs schaffen und so die Armut reduzieren – besonders, weil nach Schätzungen etwa 70 Prozent dieser Jobs von Frauen übernommen würden: Frauen sind wesentlich stärker als Männer von Armut betroffen. Wenn Frauen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt haben und es mehr Jobs für alle Menschen gibt, können sie sich den eigenen Lebensunterhalt besser sichern und reduzieren ihr Armutsrisiko – und die Armut überhaupt.  

Doch es ist nicht nur die Reduzierung der Armut. Ein Mehr an Gleichstellung verbessert auch das Wirtschaftswachstum eines Staates, zum Beispiel innerhalb der EU: Verbessert ein EU-Mitgliedsstaat das nationale Niveau der Gleichstellung, kann das eigene Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis zum Jahr 2050 zwischen 4 und 10 Prozent steigen. 

Mit einer geschlechtergerechten Gesellschaft verbessert sich die Gesundheitsversorgung. Aktuell erhalten Mädchen und Frauen in vielen Ländern eine schlechtere medizinische Versorgung als Jungen und Männer. Dies liegt zum Beispiel an mangelnden Bildungschancen und einem geringeren Einkommen von Mädchen und Frauen. Zudem werden Frauen in der medizinischen Forschung seltener berücksichtigt. Viele Krankheiten, von denen Frauen stärker betroffen sind als Männer, sind längst nicht so gut erforscht.    

Auch Kinder, die in einer gleichberechtigten Gesellschaft aufwachsen, sind gesünder und können sich besser entwickeln. Wenn Frauen selbst entscheiden können, wann und mit wem sie Kinder bekommen – und wie viele Kinder! -  können sie besser für ihre Kinder sorgen. Die Kindersterblichkeit sinkt, außerdem können die Mütter ihren Kindern bessere Bildung sowie gesünderer Nahrung und den Zugang zu Gesundheitsversorgungen bieten.   

In vielen Ländern sind Frauen gesetzlich nicht vor häuslicher und/oder sexueller Gewalt geschützt, welches sich natürlich auf die Sicherheit und Freiheit von Frauen auswirkt. Die Stärkung der gesetzlichen Rechte von Frauen sorgt also für eine sicherere Gesellschaft für alle.  

Länder, in denen die Geschlechtergleichstellung bereits weiter vorangeschritten ist, sind auch weniger anfällig für gewalttätigen Extremismus.  

Gleichberechtigung bekämpft Armut

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